Samstag, 30. Mai 2015

DAS Buch für kleine Tier-Fans

Die "Katze weint" und die "Schnecke schläft", erzählt mir meine Tochter begeistert, denn sie liebt ihre Tierbücher, wie vermutlich jedes Kind. Die Verlage profitieren davon und produzieren Tierbuch um Tierbuch. Doch welche davon sind richtig gut? Den Babys gefallen zunächst alle und erst mit zunehmendem Alter verschieben sich die Bedürfnisse vom Tasten zum Hören zum Mitreden zum Mitfühlen. Wir Eltern lesen brav vor, wenn ein Küken seine Mama verloren hat. Wir zählen auch Seite um Seite die Hasen, Katzen und Frösche, aber insgeheim denken wir auch oft: Wer denkt sich sowas aus? Man langweilt sich und denkt: Es muss doch auch was Cooles geben!

Ich bin nun nicht in einem klassischen Buchladen, sondern im Bonner Comic-Laden auf ein ganz besonderes Tierbuch gestoßen, das ich euch unbedingt vorstellen möchte, weil Mila und ich ganz vernarrt darin sind:
Aladin-Verlag
Im Februar 2015 erschien im Aladin-Verlag das wunderbare Comic-Buch "Walross, Spatz und Beutelteufel. Das große Sammelsurium der Tiere" (Orginaltitel: "Creaturpedia") in deutscher Sprache. Die Zeichnerin Adrienne Barman ist 1979 geboren und hat ein Grafikstudium in Lugano absolviert. Seit 2007 illustriert die Schweizerin Kinderbücher.

Ein Geheimtipp unter den Fans

Ob das Buch für Kinder oder für Erwachsene gedacht sein mag? Wer soll so eine Entscheidung bei Comics treffen können? Im Bonner Comicladen jedenfalls tummeln sich kaum Kinder, hier findet man nur echte Fans! Als ich mit meiner kleinen Entdeckung an der Kasse stehe, strahlt die Kassierin: "Eine hervorragende Wahl!" und ich fühle mich gut (Ich liebe den Einzelhandel!).

Worum geht´s?

Auf 216 farbigen Seiten sortiert Barman die verschiedensten Tiere in Gruppen ein und schärft den Blick für Gemeinsamkeiten. Was haben der Siamesische Kampffisch, der Leopard und die Grabwespe gemeinsam? Sie sind alle Einzelkämpfer. Wie lassen sich die gewöhnliche Krake, die Ratte und die Waldameise verbinden? Das Buch sortiert sie zu "den Schlauen".


Aus jeder Seite springen neue Entdeckungen, die nicht nur Kinderaugen überraschen. In unterhaltsamer Comic-Manier hüpft der Feldhase aus dem Bild und brüllt der Bär das Hermelin an, das Okapi präsentiert seine lange Zunge und sogar Pegasus fliegt herbei.
 
 

Ich würde das Buch Leseratten ab zwei Jahren empfehlen bzw. ab einem Alter, in dem die Bücher nicht mehr angesabbert oder zerrissen werden. Die Seiten sind aus stärkerem Papier gefertigt, sodass man durchaus auch wilder blättern darf, wenn das Elternherz dies zulässt. Man hängt an seinem kleinen Kunstschatz! Der Verlag selbst, empfiehlt das Buch für Kinder zwischen 4-6 Jahren.


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"Walross, Spatz und Beutelteufel. Das große Sammelsurium der Tiere" (Orginaltitel: "Creaturpedia"), Adrienne Barman, Aladin-Verlag, 2015. 24,90€.

Donnerstag, 28. Mai 2015

Brigitte MOM - Wir sind dabei



BRIGITTE MOM BLOGS 

Eine tolle Idee von der Brigitte: Sie stellt eine Sammlung von Blogs zusammen, die sich rund ums Elternsein drehen. Da dürfen wir natürlich nicht fehlen! Hier gehts zu unserer Vorstellung:

Mutterfreunde auf Brigitte MOM


Wir stöbern jetzt in den anderen Blogs, schmökern, schmunzeln und kommentieren und wünschen auch euch viel Spaß dabei!

Mittwoch, 20. Mai 2015

Die taxifahrende Geisteswissenschaftlerin

Seit meiner Elternzeit finde ich keine Stelle mehr. Mit einem Magisterabschluss in Geisteswissenschaften habe ich dabei natürlich ständig die Unkenrufe im Hinterkopf, die ich schon während meines Studiums hörte: Ich würde eh nie eine Stelle finden und muss am Ende als überqualifizierte Taxifahrerin mein Geld verdienen.

Doch zuerst lief alles nahtlos. Sogar in der Zeit zwischen Abschlussphase und "richtigem" Arbeitsbeginn fand ich einen guten Job und überbrückte problemlos die drohende Arbeitslosigkeit. Mit einer 1 vor dem Komma auf meinem Magistra Artium-Wisch in Vergleichender und Allgemeiner Sprachwissenschaft, Soziologie und Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft wollte mich meine Heim-Uni direkt behalten. Gut, die Arbeitsbedingungen waren nicht so pralle, das Gehalt dafür umso besser und ich konnte mein Ziel, den Doktortitel vor 30, ehrgeizig anstreben. Für mich als Arbeiterkind und erste der Familie mit einem Hochschulabschluss quasi der Ritterschlag.

Die Vereinbarkeitslüge

Mit Beginn der Schwangerschaft fand ich aber meine Stelle an der Universität in Lehre und Forschung nicht mehr besonders familienfreundlich. Zu lange Arbeitszeiten, unbezahlte Überstunden, Stress, unsichere Aussichten auf Vertragsverlängerung und schließlich Druck von allen Seiten: Ich hatte es ja so gewollt (das Kind), ich müsste es nur noch mehr wollen (die Karriere), ich sollte mich doch mal entscheiden, was ich will, usw. . Wofür habe ich denn schließlich studiert?

Jeder hatte eine Meinung zu meiner Familienplanung. Kolleginnen, die meinen Mut bewunderten (Zitat: "Ich würde mich das nicht trauen!"), Kolleginnen, die meinen Mut kritisch sahen (Zitat: "Na, hoffentlich bereust du das in zehn Jahren nicht!"), die Chefin, die den Zeitpunkt bestimmen wollte (Zitat: "du kannst doch auch erst nach der Promotion das erste Kind bekommen!"), meine Familie (Zitat: "Du und ein Kind? Sicher?"), die Politik, die Personalabteilung, meine Ärztin (Zitat: "Sie müssen schon selbst wissen, ob Sie das riskieren wollen!") und schließlich die Gesellschaft. Denn nein, Kinderkriegen ist keine Privatangelegenheit, aber Ausbaden muss man es dann schlussendlich sehr privat.

Also rotierte ich noch mehr, um alle Seiten zufrieden zu stellen und gleichzeitig dem Anspruch an mich selbst ("Kind und Karriere muss möglich sein") gerecht zu werden. Ich hetzte durch die Schwangerschaft und bekam die Quittung: vorzeitige Wehen und Frühgeburt.

War es das wert, hat es sich gelohnt? Nein. Definitiv nicht. 

So oder so hat es mir die Augen geöffnet und meine Prioritäten sortiert. Ich jammerte schließlich nicht als einzige über die schlechten Arbeitsbedingungen an der Uni und über die Schwierigkeit, nach dem Studium irgendwie Kind und Karriere hinzubekommen. Also Aufgeben und nichts am System ändern? Die Niederlage eingestehen? Die Entscheidung fiel mir sehr schwer, aber ich sagte Nein, ich will da nicht mehr mitmachen.

Mut zum Nein-Sagen und zum Neubeginn

Also stieg ich aus und orientierte mich um. Nur wohin? Das war und ist die Frage. Ein festes Ziel, auf das man fast zehn Jahre hingearbeitet hat, auf einmal komplett ad akta zu legen, ist nicht leicht für die Selbstfindung. Und alle Stellen, die für mich mit meiner Fachrichtung (erstmal augenscheinlich) in Frage kommen, haben die Arbeitsbedingungen, die ich nicht mehr wollte: geforderte Flexibilität (mit Kind schwierig), ausschließlich befristete Verträge für meistens ein Jahr (mit Familie, die man ernähren will, zu unsicher), hohe Anforderungen (mit schlecht schlafendem Kleinkind unmöglich zu erfüllen) und meisten hauptsächlich Teilzeitangebote.


Soll ich also morgens aus dem Haus hetzen, das Kleinkind zur Krippe drängen (ob krank oder schlecht drauf oder schlecht geschlafen oder oder oder), auf den wenigen Stunden, die mir auf der halben Stelle zur Verfügung stehen, mehr als alle anderen arbeiten, damit a) nicht der Eindruck entsteht, als Mutter sei man nicht arbeitsfähig, b) man das Pensum schafft, für das die anderen Kollegen die doppelte Zeit zur Verfügung haben (oder einfach Überstunden nehmen) und c) meine nächste Vertragsverlängerung nicht gefährdet ist, um rechtzeitig wieder zurück zu hetzen, weil das Kind schon wartet? Um dann nicht erschöpft auf der Couch zu liegen, sondern Sohnemann adäquat zu betreuen?

Ja, die Fragen nach beruflichem Anschluss, nach meiner Rente, finanzieller Sicherheit, emanzipierter Partnerschaft, dem Wohl der Familie und nicht zu vergessen: Selbstverwirklichung stehen im Raum. Das böse S-Wort und Kreuz der Generation Y. 

(Über Hobbys und Teilhabe am sozialen Leben brauchen wir gar nicht reden.)


Wir sind ja selbst Schuld, da wir alles gleichzeitig wollen. Hochqualifiziert und vom Perfektionismuswahn getrieben, hetzen wir durch unsere Rush Hour des Lebens und jammern dabei auf hohem Niveau. Das sind doch ausschließlich (Luxus-)Probleme der Wohlstandsgesellschaft, hören wir dann: wir kennen keinen Krieg, keinen Hunger, aber empfinden unser Leben als anstrengend, hart und teilweise ungerecht.


Ein bisschen weniger Ego und ein bisschen mehr Work-Life-Balance täten uns ganz gut, so schallt es von allen Seiten. Vor allem von unserer Eltern-Generation, die nichts von unsicheren Arbeitsverhältnissen und den Erwartungen an uns verstehen. Lehne ich mich zurück und bin Hausfrau und Mutter, bin ich eine Schande für die Emanzipation und habe mein Studium verschwendet. Versuche ich trotz Kind erfolgreich irgendwo zu arbeiten, bin ich eine Rabenmutter, die ihr Kind ausschließlich wegorganisert. Und wo steht der Kindsvater in diesen Überlegungen? Da er sich selbst nie erwähnt und in gesellschaftlichen Überlegungen ebenfalls nie zu Wort kommt, mache ich das auch nicht. Mit den Gedanken und Überlegungen bleibe ich also alleine.

So oder so werden wir für unsere Entscheidungen kritisiert. Das kann einen belasten oder - dafür habe ich mich nun entschieden - befreien. Schließlich spielt es keine Rolle, was ich tue. Kritisiert werde ich eh und Ausbaden muss ich es selbst.


Ein bisschen mehr Egal-Haltung im Bezug auf die Erwartungen (eigener und die anderer) und mehr Mut zu eigenen Wegen, ist vielleicht der einzige Ausweg aus der Tretmühle.

Aus der Not eine Tugend machen

Das Leben mit Kind stellt alles auf den Kopf, sortiert die Prioritäten um und verändert vieles. Warum diese Zeit nicht nutzen, um sich selbst ebenfalls neu zu finden und sich ein paar grundlegende Fragen stellen. Also zurück zum Anfang. Was will ich eigentlich? Was muss ich tun, um das zu erreichen? Was KANN (und will) ich dafür aber noch leisten?

Wann, wenn nicht jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um neue Wege einzuschlagen und Träume zu verwirklichen, die man vielleicht immer schon gehabt hat? Also habe ich in den letzten Monaten an ein paar Ideen zur Selbstständigkeit gebastelt und versuche nun, alle Kompetenzen (die ich so finden konnte) zu kombinieren.

Ich schreibe ein Buch. Für Kinder. Eins, das ich mit meinem eigenen Kind lesen würde.




In den nächsten Wochen will ich euch mein Buchprojekt vorstellen und an meinem Versuch, mich damit selbstständig zu machen, teilhaben lassen. Mit Glück (und Ehrgeiz und Energie), wird es eine Blog-Serie, an deren Ende ein fertiges Buch steht. 

Aber wem geht es ähnlich seit dem Studium? Wer von euch stand vor denselben Problemen und hat einen Neubeginn gewagt?