Montag, 6. April 2015

So verschieden Ansichten auch sind...

Wir wünschen Euch einen frohen Ostermontag!
Unser Netzfundstück in dieser Woche ist ein Video über die verschiedenen Ansichten von Eltern. Flasche oder Brust? Kinderwagen oder Tragetuch? ... Schaut es euch an:

Possibly the best "parent" video you'll ever see!
Possibly the best "parent" video you'll ever see!
Posted by Dickon Johnstone on Freitag, 23. Januar 2015
 

Donnerstag, 2. April 2015

Los geht´s! Schokominzas erster Tag im Arbeitsleben

Ihr wisst ja: Ich habe mich nicht an die "richtige Reihenfolge" der Lebensetappen gehalten. Da war nicht erst das Haus, bevor wir Kinder bekamen. Noch nicht einmal das abgeschlossene Studium oder der Job. Ich habe alles "falsch" gemacht nach dieser Sichtweise und kann nur dazu raten. Lebensetappen sind ein Hirngespinst. Wer es falsch macht, ist trotzdem auf dem richtigen Weg. Es hat sich für mich jedenfalls nie falsch angefühlt und irgendwann kommen die anderen Etappen trotzdem, wenn man das will. So nun bei mir! Es geht los mit dem Arbeitsleben.

Die Schuld an den vertauschten Etappen muss man ohnehin in der laaangen Ausbildung suchen. Die hat gefühlte Ewigkeiten gedauert und ist selbst jetzt noch nicht vollständig abgeschlossen. Erst wenn ich Ende des Monats zum Prüfungsamt stolziere und meine Masterarbeit in dreifacher Ausfertigung abgebe, liegt das Studium wirklich hinter mir. Dann war ich fünfeinhalb Jahre Studentin! Und davor drei Jahre Azubi.

Was viele schon vor den Kindern erlebt haben, kommt erst jetzt auf mich zu. Ich nenne die Etappe "den Ernst des Leben", aber ich weiß von anderen, dass sie eher in der Elternschaft den Ernst des Lebens sehen. Es ist diese Verbindung Kinder&Arbeit, schlage ich als Kompromiss vor.  

Nach meiner langen Ausbildungstrecke wird es nun also Zeit für mich, das harte Arbeitsleben zu erklimmen! Jetzt heißt es: Weg von den Büchern! Weg von den Prüfungen und den Seminararbeiten. Ich darf nun "was sinnvolles" machen!

Ich freue mich auf die Etappe der Arbeit!

Ein gängiges Vorurteil über Studenten lautet zwar, dass sie viel Freizeit haben, aber das stimmt eben nicht. Studenten bummeln nicht (nicht alle), sie arbeiten einfach extrem flexibel. Sie schlafen aus oder feiern mitten in der Woche. Aber das ist aufgeschobene und nicht aufgehobene Zeit! Wer morgens lange schläft, hockt bis Mitternacht in der Bibliothek. Und die Wochenenden zählen als Arbeitstage. Nicht zu vergessen sind auch die Nebenjobs. Ich muss mich jetzt von diesen flexiblen Arbeitszeiten verabschieden. Und das ist gut so. Vormittags ins Kino gehen ist zwar passé, aber auch das Arbeiten am Sonntag kann ich streichen! Alles in allem ist die 40-Stunden-Woche ein geringerer Zeitfresser als ein Studium. Hoffe ich. 
Nach der Arbeit habe ich FEIERABEND.
FEIERABEND - Dieses Wort ist ein Gefühl! Ich lasse es mir auf der Zunge zergehen... Nach fünfeinhalb Jahren endlich FEIERABEND
Ihr schmunzelt jetzt zwar, denn welche Mama hat schon wirklich mal Feierabend? Aber als Studentin hat man immer Abgabetermine im Kopf und wird vom schlechten Gewissen geplagt: 

"Du hast heute erst drei Seiten geschrieben. Und du musst noch Bücher zurückbringen. Und Aufsätze kopieren - und sie auch lesen. Du hast dich noch nicht auf das Seminar morgen vorbereitet - da warten noch 20 Seiten auf dich! Vergiss nicht, dass du heute noch deinen neuen Stundenplan zusammen stellen musst und dass der Dozent auf die Gliederung des Referats wartet"... 

Das fällt jetzt einfach weg. Was zu erledigen ist, bleibt auf Arbeit und hat zu Hause nichts zu suchen. So der Plan. 

Wie bringe ich Job und Familie unter einen Hut?

Emotional ist dies schwierig. Ich will beides. Und beides 100%. Oder 200%? Meine Kinder sollen mit mir jeden Tag basteln und lesen und singen und auf den Spielplatz gehen. Ich will ihnen das Essen kochen, ihnen Klamotten nähen und ihnen tolle Unternehmungen bieten. Gleichzeitig will ich im Job gute Arbeit leisten und alle begeistern. Immer frisch und tatkräftig zur Verfügung stehen mit Know-How und Kreativität.

Alles zu schaffen, was ich gerne will, ist utopisch. Ich denke jetzt so: Es gibt 40 Arbeitsstunden, die sind Job-Zeit. Und alles andere ist dann Familienzeit. So kann ich 100% im Job geben, wenn ich auf Arbeit bin und 100% bei der Familie sein, wenn ich FEIERABEND habe. (Oder 80% für die Familie und 20 % für mich... Das wird sich zeigen.) Wenn unter der Woche weniger Zeit bleibt, haben wir am Wochenende umso mehr Zeit füreinander. 

Und wie läuft die Kinderbetreuung?

Ganz einfach in meinem Fall: Mein Mann ist in Elternzeit und kümmert sich um unsere zwei süßen Töchter. Wie das klappt, auch für uns als Paar, berichte ich in einem separaten Blogpost. Mit den beiden U2-Kindern zu Hause zu sein, ist natürlich kein Pappenstiel. Wir haben es aber erprobt und sind inzwischen eingespielt. Der Papa schafft das. Ab August/September geht Mila dann "halbtags" in den Kindergarten. Dann wird es auch für meinen Mann hoffentlich entspannter. ... wobei unsere Zweite ein kleiner Wusel ist und ihn auch alleine gut auf Trapp halten wird.


Na, und wie war´s denn jetzt?



Mein erster Tag verlief nicht wesentlich anders als das Studieren. Ich wurde noch nicht gleich mit Arbeit überschüttet, sondern soll mich zunächst mit den Programmen vertraut machen. So verbrachte ich den Großteil des Tages mit Ausprobieren, Tüfteln und Lernvideos schauen. Mein Englisch wurde gleich mit geschult. 
Es gab eine kleine Einführung in die neue Abteilung und jede Menge Infos zu Arbeits- und Urlaubszeiten, über Krankmeldungen und Schulungen, die Räume und die Zeiterfassung, die Server, das Netzwerk, neue Passwörter, funktionierende Kopfhörer und die Kaffeekasse. Meine Gedanken waren viel zu Hause, wo ich dann körperlich gegen 17:30 Uhr eintrudelte.
Die restliche Zeit reichte noch, um mit Mila in den Garten zu gehen, im Keller Sachen zu sortieren, Essen zu machen, auch Äpfel zu schälen und Milch abzupumpen. Und dann folgte schon das Abendprogramm aus Zähneputzen, Windeln machen und umziehen. Anschließend schlief Mila und nur Annika war noch wach.
Was dann? Dann wurde der ruhigere Abend eingeleitet, dieser Post geschrieben, das Geschirr gespült, Essen für morgen vorgekocht, geduscht, wenige Seiten gelesen und schon ging es auch schlafen, schließlich klingelte heute gegen 6 Uhr schon wieder der Wecker.

Mittwoch, 1. April 2015

Emotionale Narben auflösen - Heilgespräche und Heilbäder

Wie ihr in meinem letzten Blogpost lesen konntet, hat auch die psychologische Beratung am DDIF nicht wirklich geholfen, obwohl ich mir davon eine Menge versprochen habe.

Mit unserem Kind ist alles in Ordnung, unser Miteinander ist es auch, an der abendlichen Routine gibt es ebenfalls nichts auszusetzen (bzw. haben wir da wirklich alles möglichen Variationen durch) und wirklich gestresst fühle ich mich eigentlich nur von den schlaflosen Nächten. Was bleibt also? 

Unser Start an sich.

Auf der Neo-Intensivstation

Bis auf eine Ärztin - meine naturheilkundlich aufgestellte Hausärztin - wurde dieser nie als Problem in den Fokus genommen. Meistens hieß es zwar schon, man wisse nicht genau, was die Kinder aus dieser Erfahrung mitnehmen, aber konkrete Hilfestellung gab es weder von Hebammen noch von Kinderärzten oder den Familientherapeuten oder psychologischen Beraterinnen. So wie man schon im Wochenbett komplett alleine mit eventuellen traumatischen Erfahrungen aus der Schwangerschaft oder der Geburt ist, werden diese danach noch weniger thematisiert. Es scheint leichter, den Eltern generell "die Schuld" zu geben. 


Zwar wurde mir das sogenannte Re-Bonding von einer Bekannten schon früh ans Herz gelegt, aber es mussten über 1 1/2 Jahre ins Land gehen, bis ich mich dazu "überwinden" konnte. Überwinden ist vielleicht das falsche Wort, aber die Erfahrungen rund um die Geburt sind auf ihre Art so schmerzhaft, dass ich die erste Zeit ehrlich froh war, wenn ich nicht mehr daran zurück denken musste. Im Laufe des ersten Jahres verblasste die unmittelbare Erfahrung - mir wird nicht mehr schlecht, wenn ich an den Kaiserschnitt denke und eine zweite Schwangerschaft erfüllt mich nicht mehr mit Panik - doch merkte ich noch deutlich, dass da was nicht in Ordnung ist, wenn ich an der Narbe rührte und versuchte, das Erlebte in Worte zu fassen.

Und um auch weiterhin ehrlich zu bleiben: hätten wir jetzt nicht alles ausgeklammert, würde ich die Schublade geschlossen halten. Es gibt Erfahrungen, die man mit "habe ich überlebt" ad akta legen möchte, und die Geburt meines Kindes gehört dazu. Für manche vielleicht der schönste Tag in ihrem Leben, für mich der unübertroffen schlimmste. Deshalb war ich - auch aus egoistischen Selbstschutz-Gründen - erst sehr spät dazu bereit, genau DIESE Erfahrung als einen Grund für Sohnemanns schlechtes Schlafen zu akzeptieren.


Emotionale Narben auflösen - nach dem Buch von Meissner

Deshalb finde ich den Titel des Buchs von Brigitte Renate Meissner, welches mir meine liebe Pikeru ans Herz gelegt hat, sehr passend: "Emotionale Narben aus Schwangerschaft und Geburt auflösen".
Ende Februar habe ich schon von dem Buch in einem Blogpost geschrieben.

In diesem Buch werden drei Schritte aufgeführt, mit denen "aus frühkindlicher Zeit belastete Babys [...] zärtlich und heilsam aufgefangen und verletzte Mutter-Kind-Bindungen geheilt werden" können. 

Die in dem Buch aufgezählten möglichen Belastungen und Auswirkungen auf Mutter und Kind treffen in unserem Fall ziemlich genau zu...der Kaiserschnitt und die anschließende Trennung von mir können bei meinem Kind für ein erschüttertes Urvertrauen gesorgt haben, deshalb ist er nicht zur Tiefenentspannung fähig und schreckt nachts so oft hoch.

Sie schlägt in dem Buch Heilgespräche vor, welche mit Heilbädern begleitet werden sollen. Erst wird also über die traumatische Erfahrung gesprochen, dann mit dem Heilbad nachgeholt, was einem auf Grund von Komplikationen oder ähnlichem entgangen ist. Den dritten Schritt - der rosarote Herzfaden - klammere ich an der Stelle aus. Das ist mir dann doch zu viel Esoterik.

Mit den Heilgesprächen habe ich vor zwei Monaten begonnen, mit erstaunlichen Reaktionen (davon im nächsten Blogpost). Das Heilbad schiebe ich ungefähr schon so lange auf.

Warum fällt es mir so schwer? Frau Meissner widmet dem Widerwillen auch einen Abschnitt in ihrem Buch. Sie beruhigt die Leserinnen damit, dass man extreme Emotionen vor Kindern nicht verstecken muss. Kinder leben Gefühle aus, jederzeit und sofort - spätestens mit einem Kleinkind, das plötzlich total ausrasten kann und im nächsten Moment wieder herzlich lacht, unterschreibt man diese Aussage ohne Zweifel.

Das erste Foto - Bonding nach der Geburt war so nicht möglich

Trotzdem. Mussten wir nicht immer stark sein? Mussten wir unserem Kind nicht die ganze Zeit vermitteln, dass es keinen Grund zur Angst gibt? Wie anstrengend war es in der Klinik, diese Fassade aufrecht zu halten...Vor allem unter den Blicken und Worten der Hebammen, man "solle sich ja nicht so anstellen, das Kind brauche einen jetzt". Alle Tränen wurden runtergeschluckt, für die Wut und die Verzweiflung gab es keinen Raum. Auch im wahrsten Sinne, da ich wochenlang keine Privatssphäre hatte. Weinen konnte ich erst im Fahrstuhl, wenn ich mal eine halbe Minute alleine in der Kabine war. Wenn man sehen musste, wie viel schlechter es anderen Kinder auf den Stationen ging, wollte man sich gar nicht beschweren, dass die Geburt nicht so gelaufen ist, wie ursprünglich erhofft. Das Kind ist immerhin gesund, und das ist doch alles was zählt?! 

Erstmal vielleicht. Von den emotionalen Narben spricht keiner.

Schon beim Schreiben daran zurück zu denken, reicht mir. Aber auf der anderen Seite ist es aber auch wirklich egoistisch, meinem Kind diese Erfahrung abzusprechen. Er hat dies genau so durchmachen müssen wie wir, und wir suggerieren ihm mit dieser Fassade doch eigentlich, dass seine Gefühle falsch sind und wir sie übergehen.

Womit wir wieder bei Jesper Juul sind. 

Unser Kind zeigt uns mit seinem Verhalten auf (also seinem schlechtem Schlafen), dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Nur sind wir die Erwachsenen in der Beziehung und damit in der Pflicht, das Problem anzugehen. So schmerzhaft es auch wird.


Also, legen wir auf den Tisch, was schon längst in Schubladen verstaut war und thematisieren genau das, woran ich seit einem Jahr nicht mehr denken oder mich zurückerinnern möchte. Gerade läuft meine Suche nach einer fachfraulichen Begleitung für das Heilbad (alleine traue ich mir das nicht zu), von den durchgeführten Heilgesprächen berichte ich euch im nächsten Blogpost!