Sonntag, 17. April 2016

33 Monate

Ich kann scheinbar tatsächlich meine Reihe über unser schlecht bis gar nicht schlafendes Kind abschließen. Lest hier nochmal den Beginn der Reihe nach.

Seit einigen Wochen bringen wir unseren Sohn abends ins Familienbett und er schläft dort meist ohne Unterbrechungen durch. Bis wir ihn wecken. Denn plötzlich ist er zum Langschläfer mutiert. Nach 33 Monaten allabendlicher und nächtlicher Quälerei. Und was haben wir nicht alles versucht...aber letztlich musste wohl wirklich nur Zeit ins Land gehen. Sehr viel Zeit...


Aber da mich der Satz "irgendwann wird er schon schlafen" nie sonderlich getröstet hat, habe ich mich sehr bemüht, ein paar positive Dinge aus der Zeit zusammen zu tragen, um den Eltern von schlecht schlafenden Kindern vielleicht ein bisschen Trost mit auf den langen Weg zu geben. Denn ja, es ist hart. Aber es hat tatsächlich auch was Gutes, gefühlte hundert Jahre dank des Kindes nicht schlafen zu können:

Wir haben gelernt...

1. ...Hilfe anzunehmen
Das ist ja eine Sache, die Mütter mitunter am schlechtesten können. Ich nicht (mehr). Nachdem ich auch die ersten 1,5 Jahre bis zur totalen Erschöpfung das Meiste alleine gestemmt habe, habe ich danach jede Hilfe in Anspruch genommen, die ich kriegen konnte. Der Sohn geht seitdem in die Krippe und die Großeltern übernehmen mal eine Nacht oder ihn spontan am Nachmittag mit nach draußen. Und das nicht, damit ich den Haushalt machen oder arbeiten kann, nein, ich ruhe mich dann aus. Ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Oder ihn gaaanz furchtbar zu vermissen (zumindest die erste Nacht nicht).

Quelle: Familientweets der Woche

2. ...als Eltern ein Team zu sein
Besagte 1,5 Jahre hätten uns fast die Ehe gekostet. Mein Mann quartierte sich die meisten Nächte aus und fühlte sich als Alleinverdiener erschöpft, während meine Müdigkeit und Gereiztheit ebenfalls ins Unermessliche wuchsen. Zwar lässt sich der jeweilige "daily job" in der klassischen Rollenverteilung gut akzeptieren - er kümmert sich um das Einkommen, ich um Kind&Haushalt - trotzdem bleiben die Nächte an der Mutter hängen. Erst seitdem wir diese genauso gerecht aufteilen, herrscht wieder Harmonie in der Beziehung. Frei nach dem Motto "geteiltes Leid ist halbes" sind wir zwar beide sehr müde, dafür erwartet der eine dann aber keine Action in der Freizeitgestaltung, wenn der andere einfach nur schlafen will.

3. ...weniger ist mehr als Grundhaltung anzunehmen
Was habe ich mir vorher wegen allem einen Stress gemacht...der Haushalt musste piccobello sein, die sozialen Kontakte mussten gepflegt und allen Verpflichtungen nachgekommen werden. Ich neigte vor der Geburt unseres ersten Sohnes zur totalen Verausgabung in meiner FREIZEIT. Wie unnötig. Durch die letzten Monate weiß ich, was wichtig ist und was nicht. Weil ich schlicht nicht die Energie für alles hatte, wurde gnadenlos aussortiert. Die to-do-Liste genauso wie die Freundesliste. 

4. ...laissez-faire tut der Erziehung gut
Wir sind ja generell ein Fan des demokratischen Erziehungsstils (hier mein Blogpost darüber), die Haltung wuchs allerdings aus der Tatsache, dass mir oft schlicht die Energie für ein energisches und konsequentes Auftreten fehlte und ich mir als reine Überlebensstrategie überlegte, was muss überhaupt sein und was ist übertriebenes Elterngehabe. Ist es echt so schlimm, wenn er jetzt die Schublade ausräumt? Muss ich ihm da nun hinterher rennen oder schafft er das alleine? Regt mich der umgekippte Becher oder das Breigematsche auf? Die Antwort auf alle Fragen lautete meistens Nein. Dabei gehörte ich als Kinderlose zu den "bei mir wird es sowas nicht geben!"-Giftspritzen, aber mein Sohn hat mich in der Beziehung anständig erzogen.


5. ...die Bedürfnisse des Kindes über meine zu stellen
Und dabei zu erkennen, dass sie dieselben sind. Das ist eine Sache, die man eigentlich wissen müsste, mir als ausgeprägter Ego-Mensch fiel es aber extrem schwer, zurück zu stecken und nicht mehr "mein Ding" so ohne weiteres machen zu können. Mein Sohn forderte extrem ein, was ihm - aber auch mir - gut tat: ich habe mich sehr intensiv mit ihm und mit unserer Familie beschäftigt. Vermutlich wäre ich sehr schnell wieder arbeiten gegangen und hätte so auf die lange Elternzeit und auch auf das zweite Kind (erstmal) verzichtet. Was im Nachhinein wirklich bedauerlich gewesen wäre. Ich bin jetzt froh, nicht "mein Ding" gemacht zu haben. Dafür bin ich ihm ehrlich dankbar.

6. ...dass ich Nerven aus Stahl habe
Ein Trost für die Eltern da draußen: wer mit einem nicht-schlafendem Kind gesegnet ist, hat zwar ein dünnes Nervenkostüm auf Grund des Schlafmangels, aber bekommt dafür im Laufe der Jahre Nerven aus Stahl. Der Spruch "Mich regt nichts auf, ich habe Kinder" ist garantiert allen bekannt, ich erweitere ihn um "Mich stresst nichts mehr, ich kenne es schlimmer". Oft konnte ich mir ein verständnisloses Kopfschütteln nur gerade so noch verkneifen, wenn andere Eltern über ihre Kinder geklagt haben. Wie anstrengend sie sind, wie sehr sie das Theater nicht ertragen, wie nervig das und das ist, .... und das, obwohl sie durchschlafende Kinder hatten. Da dachte ich, "Mach das mal mit nur 1,5 Stunden Schlaf am Stück, dann weißt du, was hart ist!"
Natürlich haben alle Eltern mit ihren Kindern phasenweise zu kämpfen. Schübe, Zähne, Autonomiephasen, usw., wenn aber ein chronisches Schlafdefizit über Jahre dazu kommt, kann das Loch gar nicht tief genug sein, in dem man sich beerdigen möchte.

Die Zeit ist hart und scheint ewig zu dauern, trotzdem bin ich jetzt - da ich sie überstanden habe - sehr froh darum. Ich habe doch eigenes durch sie gelernt, was mir heute definitiv fehlen würde.



Donnerstag, 14. April 2016

Kinderwunsch ohne Partner

Während wir uns in der Hibbelzeit mit NFP, Zyklustee, Ovulationstests und zig anderen Dingen beschäftigt haben, die uns das Schwangerwerden erleichtern sollten, mussten wir uns um eine Sache keine Sorgen machen: den Partner/Ehemann/Freund aka den Samensgeber.

Doch was ist mit dem Kinderwunsch, wenn kein passender Mann da oder in Sicht ist? Was ist mit dem Kinderwunsch von Singles?

Heute möchte ich euch einen ganz besonderen Blog dazu vorstellen:

Hier ein kleiner Auszug:
Ich kann nicht sagen, wann der Gedanke, dass erste Mal aufkam, dass ich nicht unbedingt einen Partner bräuchte um ein Kind zu bekommen. Diese (damals noch verrückte) Idee hatte ich schon länger, aber dann wieder verworfen. [...]
Wäre es wirklich möglich alleine ein Kind zu bekommen? (Ja mir ist schon klar, dass es ganz alleine nicht geht, so etwas bekommt nur Maria hin...) Ich habe viel gegoogelt, gelesen und mir Gedanken gemacht. Ja ich wollte und will immer noch Mutter werden und zwar nicht mehr irgendwann, sondern jetzt!!!
[...] Ich schließe nicht aus, dass irgendwann noch ein Mann kommt, der für mich passt und mit dem es was werden könnte. Aber muss ich nur auf einen Mann warten um ein Kind zu bekommen? Was wenn das noch zwei oder drei Jahre dauern würde? Und dann lernt man sich ja (meistens) erst mal kennen und versucht nicht sofort schwanger zu werden.

Auf ihrem Blog erzählt M. von sich, ihrem Kinderwunsch und wie sie ihn in die Tat umsetzen will. Auch ohne einen festen Partner.

Liebe M., ich bewundere dich wirklich sehr für deinen Mut, eine bewusste Single-Mama werden zu wollen. Und für dein Durchhaltevermögen auf diesem schwierigen Weg. Ich wünsche dir alles Gute und vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns teilst :).

Quelle: http://aus-ei-wird-zwei.blogspot.de/2016/04/mein-groter-lebenstraum.html

Freitag, 8. April 2016

Babysitterstorys - Leichter gedacht, als umgesetzt

Die Ratgeberliteratur haut regelmäßig meinen Lieblingstipp raus: "Nehmen Sie sich doch mal wieder Paarzeit." Damit meinen die Autoren Zeit ohne Kinder. Das sei superwichtig, nahezu unverzichtbar und klingt auch nicht schlecht. Trotzdem grummel ich dann regelmäßig: Und wo bleibt das Baby in dieser Zeit?


Die plausible Antwort lautet: Bei der Babysitterin. 
Ich hielt mein abendaktives Kind allerdings für unzumutbar. Die arme Babysitterin! Und als uns dann zwei Töchter von der Sorte abends auf der Nase herumtanzten, anstatt wie andere Kids (angeblich...) um 19 Uhr im Bett zu liegen, schoben wir die Babysittersuche hinaus auf "bessere Zeiten". 

Natürlich rechneten wir auch durch, was uns der Spaß kosten würde, und dann schoben wir es auf noch "bessere Zeiten" hinaus.

Aber nun haben wir es doch gewagt.  
Über drei Ecken fand sich eine Babysitterin für uns, Anfang 20, in Ausbildung und praktischer Weise wohnt sie direkt um die Ecke. Wir luden sie zu einem Kennenlernen ein, bei dem sie mit unseren Töchtern spielte und dann beschlossen wir bereits mutig, den ersten Termin auszumachen. Unsere ältere Tochter wird demnächst 3 Jahre alt - Wir hatten Zeit nachzuholen!

Der Tag kam. Schon fragte ich mich, warum wir uns diesen Stress eigentlich antun? Wäre es nicht einfacher, den Abend vor dem Fernseher zu verbringen, als jetzt gemeinsam mit der Babysitterin zu versuchen, die Kinder ins Bett zu bekommen? Um dann im Restaurant zu sitzen und das Handy anzustarren? Und die armen Kinder weinen die ganze Zeit? 

Sie kam, sah und siegte. 
Unsere Babysitterin hat viel Erfahrung mit Kindern und verstand es, die Kleinen für sich zu begeistern. Das Abendprogramm wickelten wir mit ihr zusammen ab: Zähne putzen, Umziehen und Vorlesen. Um 20 Uhr lagen beide Kinder im Bett - Wir waren zugegeben überrascht! (Vielleicht sollten wir sie jeden Abend einladen?)

1 Stunde und 20 Minuten
Gibt es einen Rekord fürs Essengehen? Nach 1 Stunde und 20 Minuten betraten wir bereits wieder unsere Wohnung - Allerdings hielten wir damit nur unseren Plan ein, die Kinder nicht zu überfordern. Die kannten ihre Babysitterin noch kaum. Und für unser Gewissen war es auch leichter, es langsam angehen zu lassen.

Wie war´s?
Mein Mann und ich konnten die kurze Zeit und das Essen durchaus genießen. Ich spinne sogar schon in Gedanken, wo wir die folgenden Abende verbringen könnten. Plötzlich hat man sich ein Stück Freiheit erkauft. Ich find´s toll. Natürlich ist es ein großer Schritt, eine fremde Person ein Stück weit in sein Leben zu lassen. Wir zahlen ihr 9€/Stunde und haben beschlossen, dass es uns das einmal pro Woche oder alle zwei Wochen wert ist. Was kann man sich besseres kaufen als Zeit?

Habt ihr auch einen Babysitter? Wie oft nehmt ihr euch Zeit als Paar?