Dienstag, 8. März 2016

Wie will ich leben? - Es wird Zeit für eine Veränderung!

Das Handy düdelt noch mal, als ich bereits im Bett liege: "Wann treffen wir uns morgen?" Ganz vergessen! Ich muss noch einen Termin mit Freunden ausmachen, tipp tipp tipp. Unten hustet mein Kind, mein Mann ist schon eingeschlafen, aber ich denke noch über allerlei nach: Arbeit und Besorgungen, Bewerbungen, Freunde und Geburtstage, die Kinder, den Abwasch, die Dienstreise und das ganze Jahr...

Ich stehe unter Strom. Gleichzeitig bin ich so wahnsinnig fertig. Seit Tagen schon finde ich keine Ruhe. Früher verbrachte ich einen ganzen Tag im Bett, wenn mein Energielevel im Keller war. So ein Gammelsonntag füllte meinen Balken wie bei den SIMS von rot auf grün und weiter ging´s. Jetzt dümpel ich zwischen gelb und orange. 

Wenn es mir so geht, wird eine Veränderung fällig.
Der Fluss des Lebens ist stark, manchmal treibt man einfach mit, ohne darüber nachzudenken, wohin und wieso. Aber das Leben muss kein SIMS-Spiel sein. Wir dürfen den Curser an uns nehmen und selbst tätig werden, dürfen bestimmen, wie und wo wir leben wollen. 

Aber: Wie will ich leben?

Viele Menschen wissen schon früh, wie sie leben wollen. Die einen verfolgen das klassische Konzept: Schule, Ausbildung, Arbeiten, Haus bauen, Heiraten, Kinder bekommen, Karriere voranbringen usw. Die anderen wollen einen alternativen Weg einschlagen: Ohne Bindungen von einem Tag in den nächsten leben, im Ausland oder Inland, auf jeden Fall nicht so materialistisch, sondern künstlerisch und vielleicht weltverbessernd. Der erste Weg klingt vernünftig, der zweite idyllisch. 

Und ich?

Hier mein 5 Punkte Vorgehen:
  • Wunschkiste
    In die Wunschkiste packe ich alles, was mir wichtig ist und natürlich wird sie unrealistisch voll. Ich möchte arbeiten, mit den Kindern Zeit verbringen, lesen, Freunde treffen, einen Roman schreiben, viele Do-it-yourself-Projekte verfolgen, meine Nähmaschine beherrschen, ein Ehrenamt annehmen, Briefe schreiben, mit meinem Mann ins Kino gehen und verreisen. 

  • Jetzt-Stand auf Vor- und Nachteile prüfen Ich arbeite 40-50 Stunden die Woche, was den Vorteil hat, dass wir gut mit dem Geld auskommen. Dadurch habe ich allerdings weniger Familienzeit und auch weniger Freizeit. Bei meinem Mann ist es anders: Er hat zu viel Familienzeit und bräuchte wieder die Abwechslung, die Arbeit mit sich bringt.
    Wir kommen gut zurecht, was die Betreuung unserer Kinder angeht, aber wir gehen nie zusammen aus, weil immer einer zu Hause bleiben muss.
    Unsere Wohnung ist nicht besonders groß, aber momentan gäbe es mehr Nachteile als Vorteile, sodass wir uns momentan noch nicht zum Umziehen entschließen (höherer Mietpreis, der Umzug an sich, wahrscheinlich KiTa-Wechsel und längerer Arbeitsweg und wir verlören unsere liebgewonnene Hausgemeinschaft).
    Ich möchte mich gern ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit einbringen.
  • Lösungen überlegen
    Offensichtlich ist, dass sich das Arbeits-und-Familienzeit-Problem dadurch lösen ließe, dass mein Mann und ich uns die Arbeitszeit aufteilen. Zum Beispiel könnte ich vormittags und er nachmittags arbeiten.
    Auch für das Ausgeh-Problem findet sich eine einfache Lösung: Wir sollten einen Babysitter suchen.
    Wie ich mich in die Flüchtlingsarbeit einbringen will, weiß ich noch nicht. Ich versuche mich an eine Kollegin zu hängen, die sich auch engagieren will.
  • Aktiv werden
    Vom dritten zum vierten Punkt geht man einen großen Schritt, den man leider oft auch gar nicht schafft. Ein "Was wäre wenn" fühlt sich im Kopf gut an, aber die Umsetzung bereitet Magenschmerzen. Man muss sich nämlich nicht nur kümmern, Gedanken machen und viel Erledigen, sondern auch mit Risiken und Unsicherheiten umgehen.

    Was habe ich gemacht? Zunächst bat ich meine Chefin, meine Stunden auf 30h/Woche zu reduzieren. Wenn ich von 7-13 Uhr arbeite, habe ich den gesamten Nachmittag als Familienzeit "frei". So wird es ab Mitte April sein.
    Als nächstes begannen wir für meinen Mann Bewerbungen auf Teilzeitstellen zu schreiben und inzwischen sind wir soweit, dass ein Arbeitsvertrag vorbereitet wird und er in 2-3 Monaten anfangen kann.

    Bei der Suche nach einem Babysitter sind wir ebenfalls erfolgreich gewesen und haben nun eine junge Frau gefunden, die nicht weit von uns entfernt wohnt und einen Abend in der Woche auf unsere Töchter aufpasst.

  •  Probleme ausmerzen
    Veränderungen gehen selten unproblematisch vonstatten. Meine 30-Stunden-Woche ist mit der 20-Stunden-Woche meines Mannes nicht kompatibel, aber einer von uns muss derzeit immer zu Hause sein, weil unsere jüngere Tochter noch zu Hause betreut wird. Ab September haben wir einen KiTa-Platz, aber wie regeln wir es bis dahin? Wir hoffen auf einen Tagesmutter-Platz von April bis Juli, aber vier Monate sind für eine Tagesmutter fast mehr Aufwand als Nutzen - kaum eingewöhnt, geht das Kind wieder... Zumal ich den Eindruck habe, es gibt auch keine freien Plätze. Nächste Woche nimmt mein Mann am Info-Tag des "Netzwerk Kinderbetreuung" in Bonn teil und wir bekommen dort einen Ansprechpartner, der uns vielleicht helfen kann, eine Lösung zu finden.
 
Ich freue mich auf die Veränderungen, die wir in den letzten Wochen in die Wege geleitet haben. Es lohnt sich, die Frage "Wie will ich leben?" zu stellen und dann auch aktiv zu werden.


Wie wollt ihr leben? Seid ihr auf einem guten Weg dahin?
 

Freitag, 4. März 2016

Und sie schlafen doch! (Endlich)

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben? Mit dieser Weisheit hatten wir reichlich Erfahrung und blickten bangend bereits am Morgen auf die dunklen Stunden... 

Im Ernst - Während dem gleichaltrigen Nachbarsmädchen bereits um 18 Uhr die Augen zufielen, tanzte das unsrige Mädchen fröhlich bis Mitternacht auf Mamas und Papas Nase herum. Kuscheln, singen, Licht aus - Sie dachte sich: "Macht, ihr mal, wenn ihr meint. Müde bin ich trotzdem nicht."

Mit 19 Monaten pendelte sich dann plötzlich eine frühere Zu-Bett-Geh-Zeit ein: gegen 21 Uhr schlief das Kind und wir hätten endlich Zeit für uns gehabt, wenn da nicht schon das neue Baby gewesen wäre. Hätte hätte Fahrradkette. Das Schlafen konnten wir uns jedenfalls abschminken.


Kennt ihr die Szene in Filmen, wo Mama das Kind zudeckt, einen Gute-Nacht-Kuss gibt und das Kleine friedlich einschläft? 

Bei uns wurde sie jedenfalls nicht aufgenommen. Die Kleine übertrumpfte ihre Schwester bei weitem und stresste durch ihre wahnsinnigmachende Unzufriedenheit. Vor Müdigkeit schrie sie, aber im Bett schrie sie erst recht. Kuscheln war ein No-Go! Lesen und Singen war ein No-Go! Sie verabscheute alle Bemühungen und wir fürchteten die Abende. 

Im Grunde hatten wir ein Baby im Haus, das vom Sandmännchenstaub nicht müde wurde, sondern sich in einen Gremlin verwandelte.

Ich hasste es, wenn Leute sagten "Mach doch dies und das einfach abends, wenn die Kinder schlafen". und dann: "Also ich könnte das nicht aushalten. Ich brauche abends meine Ruhe." Wir wollten auch Stille und versuchten die Abends zurückzuerobern. Das Projekt Wie-bringen-wir-die-Kinder-zum-Schlafen" wurde für uns zum Extremsport. Wie oft lagen wir ausgepowert auf dem Sofa, während das Kind uns als Klettergerüst benutzte? Sie trat mir in den Bauch und stach mit dem Finger in mein Auge. Wir fuhren abends mit dem Kinderwagen durch die Felder, wir gaben Schnuller und Milch-Flaschen - manchmal mit sättigenden Schmelzflocken vermengt. Wir lasen vor und sangen, wir machten Hörspiele und Nachtlichter an. Wir boten Kuschelzeit, wir ließen sie im Bett meckern. Wir trugen sie im Bondolino - drinnen und draußen und ohne Erfolg.

Aber jetzt... schlafen sie. Einfach so.

Schon seit einigen Wochen versinkt nun auch unsere jüngere Tochter (17 Monate) um 20 Uhr ins Traumland. Sie möchte noch zehn Minuten kuscheln und dann nickt sie ein. Sie schläft nicht durch, aber sie schläft. - Halleluja!

Wie ist das passiert? Einfach so. Vielleicht ist was an der Behauptung dran, dass man die Schlecht-Schlaf-Zeit einfach nur "aushalten" muss. Bei uns schlafen die Kinder nun tatsächlich und ich hoffe, ich kann einigen von euch ein bisschen Mut machen. Haltet durch!



RÜCKBLICK:
Chutriel hat sich mit dem Thema Kind & Schlafen bereits in einigen Blogposts auseinander setzt - Hier könnt ihre Anstrengungen nachlesen:

Wie ist es bei euren Kindern? Schlafen Sie gut?

Dienstag, 1. März 2016

Der Knick im Eltern-Ego

Wir sitzen im Pausenraum. Vor dem Fenster brüllt ein kleines Kind. Es weint nicht einfach nur, nein! Es schreit als würde es abgeschlachtet. Totaler Systemausfall! Neugierig und etwas besorgt, schauen meine Kolleginnen und ich aus dem Fenster.
Am Straßenrand versucht eine Mutter ihren Sohn zur Weiterfahrt mit dem Laufrad zu bewegen. Ziemlich erfolglos und mit immenser Gegenwehr.



Ich kenne die beiden aus dem Kindergarten. Der Junge ist etwa ein Jahr älter als Kilian.
Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich den Kleinen noch gelobt habe, wie artig er sein Laufrad im Kindergarten abstellt und ins Gebäude geht, während Kilian noch 20 mal umdreht um wieder in die Pfütze zu springen. Die Reaktion der Mutter klingelt mir in diesem Moment in den Ohren:

„Ja, er ist ein kleiner Engel!“
Schon damals dachte ich mir, dass er wohl kaum IMMER dieser kleine Engel sein kann. Jetzt sehe und höre ich es vis a vis.

Ich kann mir kaum vorstellen, wie peinlich der Mutter dieser Zwischenfall gerade sein muss. Auch wenn unser Städtchen nicht sehr groß ist, sind die Straßen rund um das Rathaus um diese Zeit trotzdem sehr belebt. Ein Getöse in dem Umfang bleibt also wohl kaum unbemerkt.
Doch ein Erlebnis dieser Art habe ich nicht zum ersten Mal. Schon bei kurzem Nachdenken fallen mir etliche Elternaussagen ein, die ein paar Wochen oder Monate später revidiert werden mussten.

„Er schläft von Anfang an durch!“
„Mit dem Einschlafen (Essen, Kacken etc.) hatten wir noch nie Probleme.“
„Unsere Tochter ist immer so artig, sie war noch nie zickig.“
„Mittagsschlaf? Macht er freiwillig!“
Mit stolz geschwellter Brust sagen Eltern solche Sätze, bevorzugt gegenüber anderen Eltern, die gerade ihr Leid klagen oder versuchen einen Systemausfall beim eigenen Kind einzudämmen. Ist man erst seit kurzer Zeit Mama oder Papa wird man dadurch schnell verunsichert.

Umso mehr muss ich schmunzeln, wenn ich frisch gebackene Eltern einen dieser Sätze sagen höre.
Denn wir Eltern sind „alt“ und haben im Laufe unseres Lebens vergessen, wie schnell man durch solche Phasen geht. Es fällt uns schwer mit dem ständigen hüh und hott aus Schüben und Entwicklungssprüngen mitzuhalten. Eben war unser Baby noch das Liebste der Welt und im nächsten Moment brauchen wir 2 Stunden, um es ins Bett zu bekommen.
Natürlich gibt es sicher auch Eltern die Glück haben und ein Kind bekommen, dessen größtes Hobby Schlafen ist. Die Chance liegt allerdings bei etwa 1:1000 oder weniger.


Muss man sich dann eingestehen, dass man sich zu früh gefreut hat, ist das durchaus ein sehr unangenehmes Gefühl. Ich selbst ertappe mich auch oft dabei, schnell solche Thesen auszusprechen. Nach 2 durchgeschlafenen Nächten hintereinander ist man als chronisch schlafentzogene Mutter schnell in der Versuchung, auf eine langfristige Besserung zu hoffen. Meist schlägt einem dann das Kind direkt ein Schnippchen.
Geben Eltern einen solchen oder ähnlichen Satz von sich, bin ich immer gewillt ihnen ein herzliches „Wartet’s ab!“ zu erwidern. Meistens lasse ich ihnen aber diesen kleinen Triumph. Spätestens wenn das Kind in die Trotzphase kommt, wird es ihnen schon selber zeigen wo der Hase lang läuft.

Denn in dieser schwierigen Zeit, in der kaum jemand sein Kind wiedererkennt, kommt die Erleuchtung von ganz allein.