Montag, 7. September 2015

Unser erstes Jahr mit ZWEI Kindern


Habe ich die Kopieren-Taste gedrückt, als wir uns fürs Geschwisterchen entschieden? In meiner Kindheit lebten wir zu zweit. Es gab nicht mich und meine Eltern, sondern uns und unsere Eltern. Man fand uns im Kinderzimmer malend, an unserem Bach spielend, im Apfelbaum kletternd oder vorm Fernseher kichernd. Sie klaute mir die Fernbedienung, ich ihr die Schokolade. 

Meine Schwester und ich haben einen Altersunterschied von 19 Monaten. Ich drückte also auf Kopieren und nun wachsen meine Töchter ebenfalls als Geschwisterpaar auf. Die große Tochter und die kleine Tochter. Annika ist 17 Monate jünger als Mila und beide werden sich nie an eine Zeit ohne einander erinnern. Das finde ich schön. Und ich weiß, wovon ich spreche.

Natürlich sind Mila und Annika keine Kopien meiner eigenen Kindheit. Meine große Tochter geht viel liebevoller mit ihrer kleinen Schwester um als ich. Gott sei Dank!

Wie wäre es ohne Geschwisterkind?
Meine erste Tochter lebt seit 28 Monate bei uns, ein großes, witziges Mädchen, das viele Sachen alleine bewältigen kann und nicht annähernd mehr so „anstrengend“ ist wie ein Baby. Das macht den Reiz an Einzelkindern aus – Irgendwann hat man die Babyjahre überstanden und lebt entspannt vor sich hin. Bei der Entscheidung für mehrere Kinder muss man immer wieder von vorn starten: Stillen, Windeln wechseln, durch die Nächte tragen, überhaupt immerzu tragen. Und es entgleitet so vieles: Der Überblick über die Sockenschublade (Sind die von Mila oder Annika? Oder meine eigenen?), die Prinzipien wie „zuckerfrei durchs erste Jahr“ und überhaupt das aufwändige Kochen: „Machen wir doch einfach Nudeln mit Würstchen.“ 

… aber nur ein Kind zu haben, kam für uns nicht in die Tüte. Dabei denke ich gar nicht an „verzogene Einzelkinder“, sondern an so viel Schönes! Lasst mich das erste Jahr auf eine Liste packen: 
  • Lachen zwischen Geschwistern.
    Schön ist, zu sehen, wie ich mein Baby zum Lachen bringe. Noch schöner ist, wie Mila das Baby zum Lachen bringt! Da muss die ganze Familie mitlachen.
  • Sie hilft ihrer Babyschwester.
    Kleine Kinder werden gern gebraucht. Mila hilft, indem sie Windeln zum Mülleimer bringt und Annika den Schnuller holt. Sie gibt ihr von ihrem Essen ab und macht Seifenblasen für sie.
  • Das Baby schaut sich alles ab.
    Ob Gerücht oder Wahrheit bei uns trifft es zu: Die Kleine ist schneller. Annika krabbelt ihrer Schwester hinterher, sie steht und würde auch gern laufen. Sie will alles essen, was die Große isst und sie möchte wie ihre Schwester reden können. Ihr Blick sucht stets nach ihrer großen Schwester: Was macht sie da? Das will ich auch!
  •  Mila hat das Sagen.
    „A-ika nein!“ („Annika nein!“). Unsere kleine Aufpasserin bekommt genau mit, wenn das Baby wieder an die Magic-Karten meines Mannes geht oder beginnt, Bücher zu zerreißen. Irgendwann müssen wir ihr wohl sagen, dass man nicht petzt, aber zurzeit ist es für uns natürlich praktisch.
  • Gemeinsames Spiel, gemeinsamer Spaß
    Sie erfreuen sich zu zweit an Seifenblasen, planschen in einer Badewanne und spielen Lego. Es sind noch kurze Momente, in denen sie wirklich zusammen und nicht nur nebeneinander spielen, aber diese sind wundervoll. Mit Mama oder Papa als Helfer klappt auch schon das Ball spielen. 
  • Freude auf allen Seiten
    Wir lieben unser Baby. Sobald Annika morgens wach wird, steht Mila auch schon neben ihrem Bett. Sie muss sofort in den Arm genommen und geknuddelt werden. Auch Annika ist voller Freude. Und wir Eltern auch - Es sei denn, es ist 5 Uhr morgens.

Unser erstes Jahr war auch anstrengend. 

Mehrere Kinder sind selbstverständlich auch sehr anstrengend. Wir warten sehnsüchtig darauf, dass unser Baby um 20 Uhr schlafen geht, denn so ein bisschen Zweisamkeit, einfach mal die Füße hochlegen, ein Bierchen trinken und ohne Unterbrechung „Game of Thrones“ gucken, haben wir verdient. Der nächste Tag startet wieder um 6 Uhr morgens.

Das erste Baby stellt alles auf den Kopf und man hat kaum Zeit für sich. Wenn noch ein Kind einzieht, merkt man erst: Es geht noch schlimmer! Während beim ersten Baby noch Abwechslung möglich war, muss man bei zwei Kindern immer ran: Entweder bringt man die eine oder die andere ins Bett. Um wirklich Ruhe zu haben, hilft nur die Flucht aus den eigenen vier Wänden.

Das zweite Kind ist faszinierend.

Diesen zweiten, kleinen Menschen zu bekommen, ist ein faszinierendes Erlebnis, so anders ist er als Nummer 1. Aber auch dieser Minimensch schafft es, das Herz der Eltern zu erobern. Und dieser zweite Mensch lässt aus dem Einzelkind ein Team werden lässt, ein UNS. Ich denke nicht, dass ein Kind zu kurz kommt, wenn es seine Eltern mit einem Geschwisterchen "teilen" muss. Die Familie wird um einen Menschen reicher, einen neuen Menschen mit dem man spielen und lachen und streiten kann. Die Eltern brauchen starke Nerven, bekommen aber immerhin noch mehr zu lachen und die Familie erreicht wieder ein neues Level.

Was meint ihr? Sollten Kinder mit Geschwistern aufwachsen oder ist das überbewertet?

  

Kommentare:

  1. Hallo, ich habe den Blog gerade erst über das KK Forum entdeckt! So toll geschrieben :)
    Ich lese nun öfter und freue mich auf mehr.
    Nun, ich bin ohne Geschwister aufgewachsen und kenn es also nur so. Im moment kann ich mir keine zwei Kids vorstellen, auch wenn ich weiß, dass es da viele positive Seiten gibt, so , wie du sie auch nanntes!
    Jedoch bin ich mir unsicher, dies zu schaffen.

    Ganz ganz liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Man wächst an seinen Aufgaben, würde ich sagen. :)

      Löschen
  2. Gute Frage. Ich selber habe einen Bruder der knapp 2 Jahre jünger ist als ich. Wir wünschen uns sehr ein 2. Kind aber noch nicht jetzt. Sie ist knapp 1 1 /2 Jahre alt und ich möchte gerne 2 Jahre arbeiten gehen, ehe ich an eine 2. Schwangerschaft denke. Klingt vielleicht egoistisch hat aber seine Gründe. Ich finde Kinder sollten mit Geschwister aufwachsen. Es ist viel, viel schöner als alleine zu sein.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich finde nicht, dass es egoistisch klingt. Es ist euer Leben und wenn du erstmal arbeiten möchtest, nur zu. Dann freut ihr euch vielleicht sogar nochmal ganz anders auf Nummer 2 :)

      Löschen
  3. Sehr schöner Artikel :-) Also ich bin als Einzelkind alleine mit Mama aufgewachsen und muss sagen: Man bekommt zwar 100% Aufmerksamkeit und Liebe, aber trotzdem kann die Mama doch kein Geschwisterchen ersetzen. Alleine spielen ist doof. Allerdings habe ich so wahrscheinlich meine Kreativität entwickelt, da ich mich komplett meiner eigenen Fantasie hingeben und sie ausleben konnte ohne das meine Schwester oder mein Bruder dazwischenfunken. Trotzdem möchte ich unbedingt mindestens 2 Kinder bekommen, weil ich das für das Sozialverhalten meines Kindes/ meiner Kinder sehr wichtig finde.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dankeschön :) Ich denke, Kinder passen sich den Umständen an und kommen sowohl mit als auch ohne Geschwisterchen gut aus. Du hast deine Phantasie entwickelt – Tolle Sache!! :)

      Löschen
  4. Ich bin so dankbar für meine Schwester! Als Kinder jatten wir wenig gemein, dafür nun umso mehr! Ich freue mich so sehr auf unseren zweiten Zwerg Um all deine wundervoll beschriebenen Momente auch zu erleben. Ich bin mir sicher, erbschen wird eine tolle große Schwester <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das wird mit Sicherheit sehr schön werden, wenn auch für die Eltern erstmal superanstrengend.^^

      Löschen
  5. Ich kann mir auch nicht mehr vorstellen nur ein Kind zu haben. Aber liegt auch u.U. daran dass ich jetzt weiß was das 2. Kind für Positive Dinge mit sich bringt. Meine beiden Töchter haben einen Altersunterschied von 3 Jahren und 4 Monaten. Während meine Große mit 22 Monaten von mir bespaßt werden musste genieße ich es, wenn die beiden Mädels heute(meine Jüngste ist 22 M) zusammen spielen. Klar gibt es Zank und Zickerein aber die gehören halt dazu. Aber meine Kleine hat in ihrem Alter mehr Spaß und mehr Auslastung als meine Große in dem Alter.
    Es ist aber auch wesentlich lauter und anstrengender. Es dauert alles länger und man muss viel mehr organisieren und mich sich herum tragen.

    Ich selber habe einen Bruder der 9 Jahre älter ist. Mit dem verstehe ich mich gar nicht, schon von Kleinauf nicht...Aber ich bin der Meinung, das liegt an unseren Eltern. Ich war immer das offensichtliche Liebkingskind...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für dein Kommentar. Ich finde es schön, sowas zu lesen :)

      Löschen
  6. Total süßer Artikel! :) Ich selbst habe auch 2 und bin sehr froh darüber. Und zwar aus genau den Gründen die du da oben geschrieben hast...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist schön! So viele positive Erfahrungen :)

      Löschen
  7. Es ist soooo wahr, was du hier schreibst... Ich bin auch Mama von 2 Kindern, die beiden sind auf den Tag 21 Monate auseinander und ich bin so verdammt froh darüber!
    Der Anfang war schwer, man muss sich erst mal in die Situation "rein arbeiten", wie man alles auf einmal mit 2 schafft, gerade wenn der/die Erstgeborene noch so klein ist!

    Mittlerweile ist meine Tochter 6 1/2 Jahre, mein Sohn wird 5 und es ist einfach traumhaft... Wir haben zwei Kinderzimmer - davon wird eines als Spielzimmer genutzt, das andere als Schlafzimmer und wenn ich ehrlich bin, würde den beiden auch nur 1 Bett ausreichen! Keiner kann ohne den Anderen und das begeistert mich einfach und erfüllt mich mit noch mehr Liebe <3

    Erst letzte Woche, als meine Tochter eingeschult wurde, ist mir die Verbundenheit der beiden wieder so extrem aufgefallen... Mein Sohn hat die ersten 2 Tage nach der Einschulung ganz fürchterlich im Kiga geweint, weil seine Schwester nicht mehr da ist...auch wenn sie nie in einer Gruppe waren - jeder wusste wo der andere ist und dass er/sie da ist!

    Jetzt werden sie tatsächlich "groß" und müssen auch eigene Wege gehen...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist eine wunderschöne Geschichte! Danke, dass du sie mit uns geteilt hast <3

      Löschen