Samstag, 25. Juli 2015

Ein ehrlicher Beitrag über Schwangerschaftsdiabetes

Mit vielen Sachen wird einem während der Schwangerschaft Panik gemacht. Eines der absoluten Lieblingsthemen der meisten Frauenärzte ist die Schwangerschaftsdiabetes.

Die Gestationsdiabetes entsteht meist im 2. Trimester der Schwangerschaft, kann aber auch im 3. Trimester noch auftreten, oder sich verstärken. Als Ursache für Schwangerschaftsdiabetes werden sowohl die Hormone (Östrogen und Plazentalaktogen) verantwortlich gemacht, die zur Erhöhung des Blutzuckerspiegels führen, jedoch hört man auch oft, dass Übergwicht vor der Schwangerschaft und falsche Ernährung währenddessen, zu Schwangerschaftsdiabetes führen können.

Die Diabetes im Allgemeinen entsteht, da die Bauchspeicheldrüse, verwirrt von den ganzen Hormonen, das produzierte Insulin zu spät und nicht in ausreichender Dosis ins Blut abgibt. Der Blutzuckerspiegel ist daher bei Schwangeren häufig sowohl vor, als auch nach dem Essen erhöht.

Durch diesen Umstand kann eine Schwangerschaftsdiabetes durch einen einfachen Test leicht festgestellt werden, den mittlerweile jede Schwangere über sich ergehen lassen muss: Man trinkt ein Glas ekelhaftes Zuckerwasser und es wird einem Blut abgenommen. Ein Mal vor dem Trinken und mindestens ein Mal danach (je nachdem auf welchen Zeitraum der Test angesetzt ist).

In vielen Fällen kann eine Schwangerschaftsdiabetes durch eine ausgewogene Ernährung behandelt werden. Das bringt jedoch der Pharmainsustrie zu wenig Geld, weshalb etliche Diabetologen einen beim ersten Besuch direkt mit Spritzen, Nadeln und Desinfektionstüchern ausstatten.

Ist die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes einmal gestellt, werden einem grundsätzlich folgende Sachen prophezeit:

1. Das Kind wird viel zu groß und viel zu schwer (Makrosomie)! Mindestens 4.000g und man kann sich sowieso schonmal auf einen Kaiserschnitt einstellen
2. Übertragen ist nicht! Direkt am errechneten Entbindungstermin wird eingeleitet, sonst wird das Kind ja noch größer, auerßdem verkalkt ab dem VET die Plazenta schlagartig und Gelbsucht droht
3. Nach dem Durchtrennen der Nabelschnur sackt der Blutzuckerspiegel des Kindes rasant in den Keller, ist der Milcheinschuss noch nicht eingetreten, wird zugefüttert da sonst ein Zuckerschock auftreteten kann

Ich habe mir diese, und noch viele weitere Vorträge meiner Diabetologin brav angehört. Und da ich durchaus eher negative Erfahrungen gesammelt habe, möchte ich heute in gewissen Dingen mit der Panikmache aufräumen!

Zum Einen möchte ich meiner Diabetologin heute noch einmal recht herzlich dafür danken, mich "stark übergewichtig" zu nennen. An diesem Tag wog ich 71 kg und hatte zu meinem Gewicht vor der Schwangerschaft gerade 3 kg zugelegt. Und was erheitert das Gemüt einer Schwangeren mehr, als fett genannt zu werden? 
Sie beriet mich kurz über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und bot mir direkt an mich auf Insulin einzustellen. Da meine Werte beim Zuckertoleranztest wirklich nur minimal erhöht waren, lehnte ich dies ab um zumindest für eine Weile zu testen, wie ich ohne Spritzen klar komme. Das ich panische Angst vor Spritzen habe, hat zu dieser Entscheidung erheblich beigetragen. Die Aussicht mir täglich 6 Mal für den Zuckertest in den Finger zu pieksen hat mir ausgereicht.

Ich experimentierte mit verschiedenen Lebensmitteln und piekste mich weitaus häufiger als nur 6 Mal am Tag in den Finger und kontrollierte meine Werte. Ich protokollierte alles akribisch in einer Diabetes App und strich immer mehr Lebensmittel aus meinem Ernährungsplan. 
Bis zur 35. Schwangerschaftswoche habe ich es geschafft meine Werte im Normbereich zu halten. Ich verzichtete dabei auf jegliche Art von Raffinadezucker, Schokolade, Weizenmehl und zum größten Teil auch auf Milchzucker. Auch Fruchtzucker ließ meinen Blutzuckerspiegel stark ansteigen, auf Obst wollte ich aber beim besten Willen nicht auch noch verzichten. Ich war diszipliniert und ehrgeizig. Alles zum Wohl meines Kindes, ahuu!

Zur Routinekontrolle bei der Diabetologin, gen Anfang der 36. Schwangerschaftswoche, dann die Ernüchterung: alle Disziplin hatte nichts genützt. Meine Blutzuckerwerte stiegen immer weiter an und egal was ich aß, ich sprengte alle Normen. Um nicht auf noch mehr Lebensmittel verzichten zu müssen, kürzte ich stattdessen die Portionen. Trotzdem wurde mir bei jeder Ultraschallmessung beim Frauenarzt bescheinigt, mein Kind stünde kurz vor der Makrosomie. Weiterer Druck wurde aufgebaut mit der Aussage, mein Kind können nach der Geburt in ein Koma fallen, wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch ist.

Am errechneten Entbindungstermin begab ich mich vorbildlich zur Einleitung in das von mir gewählte Krankenhaus, welches natürlich eine Kinderklinik vorweisen konnte, denn sicher ist sicher!
6 Stunden später hatte ich, nach etlichen vergeblichen Einleitungsversuchen, einen Kaiserschnitt.

Alle Klischees einer Schwangeren mit Gestationsdiabetes erfüllt? Määäp, falsch!

Mein Sohn kam nicht mit den vorhergesagten 4.000g Minimum zur Welt, sondern lediglich mit 2.905g. Selbst zur Ultraschallmessung zwei Tage vor Entbindungstermin liegt hier eine Differenz von fast 600g vor. Unser Geburtsstillstand hatte nichts mit dem Gewicht des Kindes zu tun, sondern mit gleich mehreren Nabelschnurumschlingungen. 
Kilians Blutzuckerspiegel war vom ersten Moment an im Normalbereich, da ich aber noch friedlich in der Vollnarkose schlummerte, wurde trotzdem eine Zuckerlösung zugefüttert. Meine Plazenta war tatsächlich etwas verkalkt, was aber an meiner eigenen Mangelernährung lag. Von Gelbsucht jedoch keine Spur.

Einen Tag nach der Entbindung kam eine wesentlich nettere, und scheinbar auch kompetentere, Diabetologin des Krankenhauses bei mir vorbei und maß wieder meinen Blutzuckerspiegel. Erstaunlicherweise empfand sie den für mich recht hohen Wert als normal und klärte mich darüber auf, dass es für Schwangere schier unmöglich sei, die standartisierten Blutzuckerwerte eines gesunden Menschen einzuhalten. Sie warf einen Blick auf mein Messwerteheftchen und rümpfte die Nase über die minimalen Einheiten an Insulin die ich spritzte. "Da kannst du dir auch Wasser spritzen!"

Acht Wochen nach der Entbindung bescheinigte mir meine Diabetologin meine vollständige Gesundung und ich feierte dies mit einem Eis.

Versteht mich nicht falsch, Schwangerschaftsdiabetes ist eine ernstzunehmende Krankheit, die durchaus zu erheblichen Komplikationen führen kann. Nur bitte versucht euch nicht auf diese Panikmache einzulassen. Ich habe mich davon vollkommen mitreißen lassen und mir mit diesem Diätwahn meine komplette Schwangerschaft versaut.

Ich bin mir sicher, es gibt gute Diabetologen da draußen, die euch beraten und behandeln wie es für euch richtig ist. Notfalls holt euch eine zweite Meinung ein und ganz wichtig:

Hört auf eure Instinkte. Ihr wisst und merkt ob es eurem Kind gut geht. Euer Herz sieht mehr als der Ultraschallkopf.





Kommentare:

  1. Ich gehöre zu den Frauen die da ganz offen sagen: "Nö ich hab keinen Zuckertest in der Schwangerschaft machen lassen". Ich wurde bereits mehrfach beschimpft deswegen. Ja ich hab Übergewicht und trotzdem bin ich willkommen gesund. Ich hatte nie Diabetes und selbst jetzt 1,5 Jahre nach der 2. Geburt Null Probleme. Mein Blutzucker war nur einmal grenzwertig(war noch im Normbereich aber recht weit unten), Das war zu der Zeit als ich Gallensteine und eine entzündete Bauchspeicheldrüse hatte. Das da der Blutzucker runter geht, wenn ich kaum was esse(hab in 1 Woche 3 kg verloren), is klar.
    Ich finde es schrecklich dass die Schwangerschaft heute als "Wunder" betrachtet wird, denn sie sei ja so risikoreich und gefährlich. Man muss sich wegen allen und nichts testen lassen und wenn man etwas ablehnt weil man das für einen selbst nicht nötig hält, wird man verurteilt und blöd angeschaut. Als ob man damit seinem Kind was antun würde.
    Meinen Kindern geht es blendend und mir auch. Ich habe diese Tests bei beiden Schwangerschaften nicht gebraucht und nicht für nötig empfunden und wir sind alle gesund und wohl auf.
    Mag sein, dass andere dieses Glück nicht haben/hatten, aber ich finde es unfair auf Frauen wir mir dann herum zu hacken nur weil sie "Glück" hatten.
    Die Ärzte sind es, die den Frauen da draußen die Unsicherheit geben. Die Gesellschaft ist der Meinung dass man alles mit neustem Wissen ertesten und beweisen oder zumindest widerlegen muss. Ja so ein Test hätte mir nicht weh getan. Aber warum so einen Test machen, wenn mans gar nicht braucht? Ich hatte in den 2. SS gute und verständnisvolle Ärzte. Die haben mich nie bedrängt oder mir was eingeredet.

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    1. Ich habe diesen Test auch nicht für nötig empfunden und wäre vielleicht den Großteil der Schwangerschaft auch problemlos durchgekommen, aber das kann ich so natürlich nun nicht mehr sagen. Eine Freundin von mir hatte starke Schwangerschaftsdiabetes und wollte sich erst auch nicht testen lassen, da sie selbstständig ist und alles vorstrecken musste. Im Nachhinein war sie aber ganz froh, denn trotz mehrfach täglichem Spritzen von hohen Dosen Insulin wog ihre Kleine mehr als 4500g. Ich stimme dir absolut zu, dass nicht jeder Test sinnvoll ist und viel Panik gemacht wird. Aber viele Erkenntnisse kamen nun mal erst in den letzten 20 Jahren auf durch die heutige Forschung. Man sollte also nicht alles direkt verteufeln

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  2. Trotz unauffälligem, großem (!) Diabetestest wurde bei mir aufgrund von Verdacht auch Schwangerschaftsdiabetes eingeleitet. Bis zum ET war das nie Thema. Ich habe es etwas hinausgezögert, denn der einzige Anhaltspunkt war die Größe des Kindes und das Verhältnis Kopf zu Bauch. Der Bauch sei größer als der Kopf - dabei ließ sich beides am ET kaum noch messen. Ich habe den angebotenen Kaiserschnitt abgelehnt und mich der Tortur des Einleitens hingegeben - bei 41+2 wurde Annika geboren, mit 4.300g, normalem Kopf-Bauch-Verhältnis und weiterhin ohne Diabetesanzeichen. :)

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    1. Wow 4,3 kg sind aber schon ordentlich. ^^
      Ich kann nur sagen, dass manche Ärzte die Messwerte schon viel zu genau nehmen. Mein Kind wurde mal auf 4kg geschätzt(1 Woche vor ET) und am ende hatte sie nur 3,6 kg. Er hatte es am Ende aber berichtigt auf 3,5kg, weil er einfach falsch gemessen hat. Gut dass ihm das noch rechtzeitig aufgefallen ist.

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    2. Man sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Die Geburt war nicht anders, als bei der 3,1kg-Tochter ;)

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