Freitag, 29. Januar 2016

Freundschaften im Kleinkindalter

Mila (links), Annika (rechts) und ihre Freundin (mittig)

Würmchen werden Schmetterlinge
Ist euch aufgefallen, wie euren Babys Flügel wuchsen? Meine Würmchen verwandeln sich in Schmetterlinge. Gerade noch auf meinem Arm, flattern sie einen Wimpernschlag später davon und neben ihnen fliegen nicht mehr nur Mama und Papa, sondern auch ihre FREUNDE.

Diese besondere Kleinkindzeit entzieht sich leider zum Großteil unserem Gedächtnis. Ich persönlich kann ein Sammelsurium an Eindrücken und Empfindungen ausgraben, wenn ich mich zu erinnern versuche: Wie war mein Kleinkindleben? Eine alte Frau lauscht mit mir in die Ferne, wie Autos vorüber fahren. Der Nachbarsjunge sitzt neben mir auf der Wiese. Im Kindergarten türme ich mit meiner Freudin Sand auf und meine Schwester zieht einer kleinen Katze am Schwanz. 
Wir erinnern uns an so wenig und doch ist es eine Zeit, die uns fürs Leben prägt. 

Soziale Kompetenzen brodeln auf
Während der Babyzeit zeigt sich unser Nachwuchs selten sozial kompetent. Annika haute und biss die anderen, woraufhin ich beteuerte, sie meine das lieb (Meinte sie nicht). Und Mila heulte los, sobald ein anderes Kind sie länger ansah. Das Grundinteresse für die anderen Babys bestand zwar, doch noch brodelte kein Bedürfnis nach Freunden in ihnen auf, egal zu wievielen Pekip-Kursen wir die Würmchen anmeldeten. Oder Babymassagen, Kidix, Pikler...
 
Fast unmerklich verändert sich das Verhalten nun doch. Erst nur in Details: Mein Kind bietet einem anderen eine Nudel an und die beiden tauschen eine Spielsache aus. Dann wird es deutlicher: Die Kinder lachen zusammen, sie reichen sich die Hand und sie reden miteinander. Und plötzlich geht es los: Die Welt der ersten, kleinen Freundschaften.

"Mama, ich möchte NICHT mit DIR spielen"
Na toll. Jetzt wird man schon von den eigenen Kindern beim Spielen ausgeschlossen. Es fehlt nicht mehr viel zur "Du bist nicht mehr meine Freundin"-Phase, aber so schlimm ist es nicht (noch nicht?). Die Kinder beginnen jetzt, ihre eigenen Lebenswelten zu schaffen. Wenn meine große Tochter (2,5 Jahre) mit anderen Kinder zusammen ist, dann braucht sie mich nicht mehr. Zwei Jahre lang bedeutete ich ihr alles und jetzt erweitert sie ihren Radius. So ist das Leben. So ist es richtig. Und hey: Wie oft haben wir gejammert, keine Zeit mehr für uns zu haben? Während die Kinder zusammen spielen, lässt sich der Kaffee ungewohnt heiß genießen und ich kann mehrere Romanseiten am Stück lesen oder ungestört kochen. Schöne, neue Welt.

Warum Freundschaften wichtig sind:

Kleinkinder erleben, dass sie in der Welt der Erwachsenen keine gleichberechtigte Rolle einnehmen. Sie sind abhängig von den "Großen", weshalb sie ja die allseits beliebten Trotzphasen durchmachen und unsere Nerven rauben. Freundschaften unter Kinder sind von vorn herein anders: Auf Augenhöhe! Und man hat sogar Verbündete gegen die ungerechten Erwachsenen.
Kinder fühlen sich zusammen mit dem Freund oder der Freundin stärker und selbstbewusster. Sie lernen die Freude an gemeinsamen Erfahrungen kennen und müssen mit Streitigkeiten umgehen lernen. Das alles schult sie fürs Leben und macht Freundschaften so unglaublich wichtig.

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