Freitag, 21. August 2015

Wenn du schon Kinder hättest…



Neulich las ich eine nicht weiter interessante Kolumne von Mercedes Lauenstein über das Produzieren von Literatur (hier geht´s zur Kolumne) und blieb an einem Satz hängen:

„(…) da ist meine Nachtaktivität fehl am Platz, denn ich brauche etwa neun Stunden Schlaf, damit ich überhaupt zu etwas tauge“.
„Ach Mercedes, wenn du schon Kinder hättest...“, denke ich. BÄM! 
Gleichzeitig versuche ich diesen Satz wieder zu streichen. Das kam nicht von mir! Aber gedacht ist gedacht und wird auf ewig im Quellquote meiner Seele zu finden sein.

Warum denke ich solche Sätze?

Weil meine Tochter eine Nachteule ist und ich seit Monaten nichts Gutes mehr geschrieben habe.
Irgendwie ist´s halt ungerecht, dass Mercedes fürs Feuilleton über Literatur als narzistisch verklemmte Blabla-Scheiße schreiben darf und mit ihrem kleinen, italienischen Moped durch München tuckert. Und trotzdem noch 9 Stunden pro Nacht in ihrem Bettchen schlummert. Und ich selbst will endlich den großen deutschen Roman schreiben und komm irgendwie nicht dazu.

Warum denken wir solche Sätze?

Weil es stimmt. Und weil es damit eine Ausrede für alles im Leben sein kann. Ich komme nicht in die Puschen, aber statt den Blick auf Mercedes zu lenken, könnte ich auch mal bei anderen schauen. Durs Grünbein beispielsweise arbeitet als Lyriker, Essayist und Übersetzer und obwohl er 2001 Vater wurde, veröffentlichte er schon 2002 einen Gedichtband (Erklärte Nacht), ein Kinderalbum in Versen (Una Storia Vera) und 2003 u. a. „Vom Schnee oder Descartes in Deutschland“ (hier).

Was sage ich nun? Angeber.

Es ist doch so: Ob nun Mercedes neun oder vier Stunden schläft oder Durs keine Gedichte mehr schreibt, spielt für mich keine Rolle.
Den Quellcode MEINES Leben muss ich schon selber schreiben.
Und hoffentlich ohne typische Mütter-Sprüche mehr!

Habt ihr Momente, in denen ihr denkt: „Wenn du schon Kinder hättest…“? Darf man diesen Satz denken? Oder sagen?

Kommentare:

  1. Dur hat das nur geschafft, weil er Vater ist und nicht Mutter :D So!

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    1. Da halte ich meine Lieblingsautoin Juli Zeh entgegen. Juristin und Autorin. Sie wurde 2012 Mutter und veröffentlichte in dem Jahr "Nullzeit" und "Die Geschenkte Stunde: eine Geschichte" und "Die Diktatur der Demokraten", dann 2013 direkt "Treideln", "Good Morning, Boys and Girls", "Was steht zur Wahl?" und "Feldmann und Lammer" usw....
      Auch so eine Angeberin. Natürlich kommt es darauf an, wie man mit seinem Partner zusammen arbeitet. Sie und ihr Mann sind beide Freiberufler und konnten mit allem halbe-halbe machen.

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  2. Manchmal ist es aber wirklich so: Manche Leute erzählen wirklich so ein Quatsch dass man sich denkt : "du hast keine Kinder, was weißt du also schon?"
    Ich musste auch schon mal so etwas ähnliches zu einer Freundin sagen. ich bekam frisch mein 2. Kind und beklagte mich wie anstrengend das mit 2 Kindern ist und dass die Große sehr eifersüchtig ist und das einzige was meine Freundin sagte: "Du wolltest doch ein weiteres Kind haben." Ich konnte nicht anders und hab ihr dann gesagt: "das sagt sich so leicht mit einem einzigen Kind, dass schon selbstständig ist."

    Zu dem Angeben und herausbringen von Büchern: Es gibt einige Autoren die lassen ihre Bücher schreiben - von Ghostwritern. Das betrifft besonders die Erotikliteratur und die Ratgeberliteratur.
    Ich selbst schlafe seit einigen Monaten unter der Woche 3-5 Stunden. Ich musste bisher immer bis Mitternacht schreiben, musste in der Nacht aber noch mindestens 1x aufstehen und werde zw. 6 und 6:30Uhr von der Kleinsten geweckt.Ab und zu kann ich am We mal ausschlafen, wenn mein Mann da ist.
    Ich bin schon der Meinung dass man das mal sagen oder denken darf. Zumindest denken, denn die Gedanken sind frei.

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    1. "Ich denke, was ich will und was mich beglücket, doch alles in der Still, und wie es sich schicket." :) Ja, da hast du recht. Manchmal stimmt es ja auch einfach!

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