Dienstag, 24. Juni 2014

pikeru stellt sich vor


Ich bin insgesamt ein ziemlich furchtbarer Mensch. Wenn man es mal ehrlich kurz zusammenfasst, bin ich rechthaberisch, stur, aufbrausend, schnippisch, gnadenlos ehrlich und hasse einfach jeden und alles.
So würde mich jeder beschreiben, der mich nur flüchtig kennt – was okay ist, ich sehe all diese schlechten Eigenschaften in mir.

So, aber ich glaube, ich habe auch ein paar echt gute Seiten.
Ich bin aufopfernd, hilfsbereit, kann mich irgendwie für alles begeistern, was man mir erzählt, und würde sogar nachts hunderte Kilometer zurücklegen, wenn mich jemand braucht, der mir wichtig ist. Ich habe ein regelrechtes Helfersyndrom.

Ich bin ungern lange am selben Ort, weswegen ich viele Freunde nur einmal im Jahr (oder noch seltener) sehe. Ich bin ein richtiger Fernfreundschaftenexperte (und ich HASSE dieses zwanghafte gendern, deshalb Experte ;))

Vielleicht ist das der Grund, dass ich es nach meinem langweiligen und unspektakulären Schulleben kaum erwarten konnte, rauszukommen und kurzerhand nach Amerika abgehauen bin.
Anschließend wanderte ich vom Westen Deutschlands in den Osten über und studiere seit Oktober 2009 Jura.

Komische Wahl für jemanden mit Helfersyndrom. Ungünstigerweise gesellt sich zu allem, was ich sonst so an Eigenschaften habe, ein ganz unerklärliches Verlangen nach Recht und Ordnung.
Die Semester liefen erstaunlicherweise total gut, war ich doch mehr damit beschäftigt, kräftig Alkohol in mich reinzuschütten, zu rauchen und die Nächte durchzutanzen.
Irgendwie habe ich es immer trotzdem am Tag drauf in die Bibliothek geschafft und gelernt.

Ich war die ideale Mischung zwischen Partyqueen und Streberin, was allerdings mit teils monatelangem Schlafmangel und einer chronischen Gastritis einherging. Der Trost dafür war, dass ich bereits mein Studium so weit abgeschlossen hatte, dass ich ein Semester zu früh zum Examen zugelassen war.

Kurz bevor mein schriftliches Examen letzten August anstand, hielt ich aus heiterem Himmel einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand.
Mein Freund und ich waren gerade mal 8 Monate zusammen und ich schon in der 7. SSW.
Die Ärzte gehen davon aus, dass sich so übermäßig kaputte Mägen wie meiner und die Pille nicht soooo gut vertragen. Naja, hatte mir nie jemand gesagt. Wahrscheinlich selbst nicht mal gewusst.

Jetzt ein Baby? Klar. Ich WOLLTE dieses Baby sofort, eine Abtreibung war undenkbar. Für mich und meinen Freund. Aber – die letzten Wochen – die Schwester meines Freundes hatte geheiratet, wir hatten RaR besucht – waren feuchtfröhlich und so.. und nicht zu vergessen: Ich sollte 2 Monate später Klausuren schreiben – gottverdammte Examensklausuren, die über meine Zukunft entscheiden würden.
Gut, muss man durch als Lurch, wenn man 'n Frosch werden will. Und JA, ich wollte immer noch ein Frosch werden, also Juristin.

Ich erhoffte mir die Unterstützung meiner Familie. Dafür hat man die doch, oder?

Pustekuchen. Meine Eltern verlangten eine Abtreibung, umgehend. Ich würde es bereuen, mein Kind könne nicht gesund sein, ich würde in der Gosse enden als Sozialfall, und wer bekommt überhaupt im Studium ein Kind?
Ich weigerte mich, sprach wochenlang nicht mit meinen Eltern, während zum Glück die Familie meines Freundes vor Freude fast durch die Decke gegangen wäre.

Welches Mädchen stellt sich so nicht den Anfang einer Schwangerschaft vor? So war meine Mutter leider nicht meine engste Vertraute während der Schwangerschaft, wie ich es mir immer ausgemalt hatte, und Freundinnen mit Kind hatte ich auch nur zwei, die genug ausgelastet waren.

Durch Zufall stieß ich auf Solinas Thread und fasste mir ein Herz mich zu beteiligen in der Hoffnung auf etwas Austausch. Aus etwas Austausch wurde eine Facebook-Gruppe, die privater war, und schließlich das erste reale Treffen, dann das nächste und so weiter. Wir sind zu echten Freundinnen zusammen gewachsen, die alles miteinander teilen: Freud und Leid.

Und Leid – Himmel, davon hatte ich genug in der Schwangerschaft.

Nach 2 Wochen begann die Übelkeit, ich konnte kaum was zu mir nehmen (aber ich will nicht meckern, es geht anderen noch schlechter!) und nahm ab. Das besserte sich und unser kleines Wunder wuchs. Dafür blieb die bleierne Müdigkeit, ich kam ohne 2 Mittagsschläfe am Tag gar nicht in Gang, geschweigedenn war ich fähig zu lernen.

Das Examen hat mich dann ganz schön mitgenommen im 5. Monat. Die Blicke einiger Kommilitonen waren mir herzlich egal, standen meine Freunde doch zu mir, aber ich merkte einfach, dass ich mir körperlich zu viel zumutete. Ich war nach den 6 Stunden einfach jedes Mal total am Ende, eine Klausur musste ich sogar vorzeitig verlassen wegen Schmerzen und ging zu meiner Ärztin. Ich spielte mit dem Gedanken, aufzugeben und das Examen zu wiederholen.
Jeder riet mir davon ab und so straffte ich mich.

Kaum war das Examen geschafft, standen Behördengänge und Co an.
Ende vom Lied war, dass ich einen stationären Krankenhausaufenthalt hatte wegen vorzeitiger Wehen im 7. Monat. Entlassen wurde ich nur, weil ich hoch und heilig versprach, mich zu schonen. Ich durfte 2x die Woche zum CTG antraben und niemand dachte, dass sich unser Mädchen bis Februar Zeit lassen würde. Außerdem sei sie zu leicht und klein, knapp an der unteren Normgrenze. Ich war Risikoschwangere durch und durch. Tatsächlich habe ich nur gelitten und mich gesorgt.

Doch meine Tochter belehrte alle eines Besseren. Schließlich wurde ich 4 Tage über ET eingeleitet, nachdem ich wochenlang zu wenig Fruchtwasser und eine Verkalkung dritten Grades der Plazenta hatte. Mein Freund war die ganze Entbindung über an meiner Seite.
Und Cecilia kam am 11.02.2014 um 4.23 mit 54 cm und 3625 g nach 20,5 Stunden, kerngesund. Naja, fast. 9 Wochen Hüftschiene und die Hüftdysplasie waren auch Geschichte.

Wir meistern unseren Alltag sehr gut, ich bin nach wie vor kein Sozialfall, in 3 Wochen hole ich die mündliche Prüfung noch nach (am eigentlichen Prüfungstag musste ich entbinden) und dann bin ich auch ganz offiziell Diplomjuristin.

Im Mai nach der Elternzeit beginne ich mein Referendariat. Dann bin ich 26 und damit liege ich genau im Schnitt!

Eine wirklich furchtbare und unentspannte Schwangerschaft hat mir das beste und entspannteste Kind der Welt geschenkt. Sie ist mein eigenes kleines Wunder, das mir abends, wenn ich an ihrem Bett stehe, regelmäßig die Tränen in die Augen treibt vor Glück. Sie ist das Beste und Wunderbarste, was mir je passiert ist und jedes Lächeln von ihr entschädigt 284 Tage der Sorge.

Und eine Eigenschaft darf man nicht unterschlagen: Ich bin eine Mutter mit ganzem Herzen. Das ist das Wichtigste.

Jetzt genieße ich meine Elternzeit, dann geht's beruflich weiter und irgendwann kommt ein zweites Kind dazu..

Dann geplant, aber der Wunsch JETZT eins zu haben und es drauf anzusetzen ist nichts "besseres". Ungeplante Kinder sind nicht gleich ungewollt. Sie kommen einfach zu einem früheren Zeitpunkt. Uns war von Anfang an klar, dass wir mal Kinder wollen und hatten für ein Mädchen schon lange einen Namen, bei dem es dann tatsächlich geblieben ist.
Liebe wächst mit einer Schwangerschaft, einer Entbindung und jedem Tag, den man mit einem Kind verbringt. Ihrem Gebrabbel, Lachen und sogar mit ihrem Weinen. Für mich ist Cecilia ein Wunschkind, das einfach beschlossen hat, uns etwas eher zu beehren :)


Auf bald!
Eure pikeru.


Kommentare:

  1. Ich hab grade echt Tränen in den Augen ... Ich darf meine bzw. unsere Tochter in knapp 3 Wochen in den Armen halten, wenn sie sich dran hält :-)

    LG,
    danie1207 (vom KK-Thread)

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  2. Wunderschön geschrieben! :-)
    Lg
    Ninea (KK)

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  3. danke fürs feedback! freue mich wenn euch meine beiträge gefallen :) liebe grüße!

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