Sonntag, 29. Juni 2014

Wann kommt denn endlich ein Geschwisterkind?

Kennt ihr die Frage "Wann bekommt ihr endlich ein Kind?"? Mir war sie vor der ersten Schwangerschaft nicht begegnet und umso größer gestaltete sich die Überraschung, als meine Tochter auf der Welt war. Schien sich vorher niemand für unsere Familienplanung zu interessieren, brach mit der Geburt das Eis und da tauchten sie auf, die Babyplanungs-Einmischer: "Wann geht´s denn weiter? Wann kommt denn endlich ein Geschwisterchen?"

Aber gut: Mila zählte acht Lebensmonate, da hielt ich auch schon einen positiven Test in der Hand. Mein Herz klopfte heftiger als beim ersten Mal... Oha, was haben wir denn da gemacht? Und wie werden die Einmischerfreunde darauf reagieren?
 

"War die zweite Schwangerschaft eigentlich geplant?"

Kaum eine Frage findet mein Mann unpassender, als diese: "War das geplant?" Genau diese Frage ist es, die aber gestellt wird. Die Leute müssen es wissen! Wir fragen uns immer: Wird man dann automatisch in eine Schublade "geplant" oder "ungeplant" gesteckt? Ob sich die Freunde anfangs fragen, ob sie gratulieren oder bemitleiden sollen? Seltsam. Ein Kind ist so eine großartige Sache, dass man IMMER gratulieren sollte, nicht?
Die beste Reaktion erhielt ich am Telefon meiner Frauenarztpraxis. "Oh, wie schön! Das freut mich aber für Sie!" – Die perfekte Reaktion!

Viele Freunde reagierten sichtlich verhalten: "Oh, das wird aber anstrengend. Wie wollt ihr das schaffen mit zwei kleinen Kindern?" oder "Also ich könnte das nicht". Natürlich folgte der Satz: "War das geplant?"

Warum so verhalten? Ich bin lediglich "erneut schwanger". Ich hole mir keine zwanzig von diesen Rabauken in die Wohnung, sondern nur eine klitzkleine Annika. Meine Oma hatte sieben Kinder, die meines Mannes sogar zwölf. DAS sind Herausforderungen. In welcher Welt leben wir, wo schon das zweite Kind zum Problem deklariert wird?, frage ich mich da, aber möglicher Weise verstehe ich die Reaktionen, sobald Annika auf der Welt ist?

Wir freuen uns jedenfalls, sprechen mit Mila darüber und richten das Kinderzimmer ein. Ein zweites Bett, mehr Spielzeug und Unmengen an Klamotten ziehen mit dem Baby ein. 

 "Wollt ihr wirklich wieder von vorn beginnen?"

Ob wir wirklich wieder von vorn beginnen wollen, wieder so einen kleinen Säugling möchten, der stündlich an meiner Brust nuckelt und als kleiner Käfer auf dem Rücken liegt? Ja und nein. Meine Augen funkeln bei dem Gedanken, die kleine Annika spazieren zu tragen. Im Tragetuch nah bei Mami. Aber natürlich sehe ich auch Mila, die selbstständig ihr Essen in den Mund schiebt, mit der ich malen und singen kann, die mobil durch den Garten tobt und dann wünschte ich, Annika könnte direkt so groß sein und mitspielen. 
... Andererseits: Was ist schon ein Jahr?
Milas erstes Lebensjahr ist mit einem Blinzeln an uns vorbeigezogen! Wir freuen uns auf die flüchtigen Babymonate, diese 3 Kilo Mensch und den imensen Lernprozess  – Also ja! Wir wollen wieder von vorn beginnen!

"Oh, ich will auch wieder schwanger sein!"

Foto: Katja Kemnitz, http://www.katjakemnitz.de

Neben den verhaltenen Reaktionen gab es auch die euphorischen. Meine Schwägerin quietschte mir am Telefon ins Ohr und eine mir fremde Verkäuferin beneidete mich um die erneute Schwangerschaft: "Einen kurzen Abstand zwischen den Kindern habe ich mir für meine Tochter eigentlich auch gewünscht."

Die lockersten Reaktionen gab es von denen, die ihre Kinder schon groß gezogen haben: "Klar, die Anfangszeit ist stressig, aber danach ist es super. Wir haben das ja damals auch so gemacht." Und die müssen es doch wissen.



Was mich noch interessiert:
Wie haben die Leute auf eure Schwangerschaft reagiert?


Kommentare:

  1. Ich wurde auch ständig gefragt, ob ich die Schwangerschaft geplant habe, besondern weil mich viele beim ersten Kind für zu jung hielten. Und ich habe es gehasst. Ich finde diese Frage hemmt und schürt Ängste, die man ohne gar nicht hätte. Ehrliche Glückwünsche sind ganz wunderbar und motivieren, aber davon bekam ich leider kaum welche.

    Beim zweiten Kind dachte ich, die Reaktionen würden sich ändern. Immerhin war ich nun 28. Aber nein, wieder die selbe dumme Frage. Und viele begründeten sie dieses Mal, mit dem großen Altersunterschied meiner beiden Kinder. Also wie man es macht, man macht es wohl verkehrt. ;)

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  2. Schöner Post,zum Glück hab ich mit meinen 18 Jahren noch etwas Zeit :)

    www.justlikeyoubyfenjajulie.blogspot.de

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  3. Ich wurde auch mehrmals gefragt, ob es geplant war. Bei den meisten kam das wohl daher, dass wir nicht verheiratet sind und viele immer noch die Vorstellung haben, dass das eine zwingende Voraussetzung sei. Ich finde die Frage auch doof, weil es irgendwie impliziert, dass man zu doof zum verhüten ist... ;-)

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