Dienstag, 28. April 2015

Freizeit adé, Scheiden tut weh

Es war einmal mein Mann, der wollte Adé sagen. Adé zu seiner Playstation, was mich skeptisch machte, aber er meinte es ernst. „Ich komme eh nicht mehr zum Spielen.“ behauptete er. Hm… Tatsächlich, ich fand auch keine Lücke im Tag, in der Platz fürs Zocken übrig wäre, aber wie ist das denn jetzt grundsätzlich mit unseren Hobbys? Schaffen Eltern ihre Freizeit ab?

Foto: BagoGames
Ganz Wissenschaftlerin schlage ich zunächst bei Wikipedia nach, wie Freizeit definiert ist. Dort steht: „Freizeit im Sinne von arbeitsfreier Zeit sind Phasen, über die der Einzelne frei verfügen kann und in denen er frei von bindenden Verpflichtungen ist.“
So richtige Freizeit ist dem folgend rar, denn meistens sind die Kinder anwesend, sodass man Verpflichtungen wahrnehmen muss. Zocken während die Kinder im Raum sind? Das finden wir beide nicht gut, denn zum einen sind die Inhalte nicht für Kinderaugen geeignet und zum anderen springt Mila direkt herbei: „Auch! Haben!“

Er könnte zocken, während ich mit den Kindern im Garten bin.

Theoretisch. Praktisch spült er dann das Geschirr, macht die Wäsche,  kocht oder geht einkaufen, denn im Haushalt bleibt immer etwas liegen, das nach einem ruft. Wie kann man in Ruhe Hobbys nachgehen, wenn sich das Geschirr neben einem türmt? „Wasche mich, wasche mich, wir Teller sind schon alle dreckig.“
Angeblich streiten sich Eltern vor allem um Freizeit, weil jeder das Gefühl hat, zu kurz zu kommen.

Mama wird zur Hexe, Papa zum bösen Troll.

Der eine war doch schon den ganzen Tag mit den Kindern zusammen, aber der andere hat gearbeitet und auch nicht gefaulenzt – Wer ist denn jetzt dran? „Du setzt dich hin und zockst. Sehr schön! Ich würde auch gerne mal ne halbe Stunde lesen.“ Und dann fallen noch die Wörter „immer darfst du“ und „nie darf ich“ und wenn man dann trotzdem seinem Hobby nachgeht, macht´s auch keinen Spaß mehr. Man möchte dieses schließlich nicht auf dem Rücken des Partners ausleben, sondern das Gefühl haben, jetzt ist es für alle okay, wenn ich mich mit dem Controller auf die Couch fläze.

Bei uns war es lange so, dass wir ungerne die Abende alleine mit den Kindern verbringen wollten. Erst als das Baby abends nicht mehr schrie und die Große um 20 Uhr gut ins Bett ging, wurden wir da gelassener. Simsalabim – aus Hexe und Troll werden zwei andere Fabelwesen: Fee und Elf. Die gönnen einander feste Freizeit. Mein Mann trifft sich dienstags mit Freunden, ich schaue donnerstags bei einer Freundin Germanys Next Topmodel. Er geht manchmal ins Kino und ich ins Theater. Wie wird das organisiert? Wir haben einen dieser typischen Familienplaner in der Küche hängen, in denen wir unsere Verabredungen eintragen und so Überschneidungen vermeiden wollen. Klappt gut.

Simsalabim! Außerdem zaubere ich eine neue Definition von Freizeit herbei.

Eine Erweiterung! Mit Freunden grillen, Freunde auf dem Spielplatz treffen oder spazieren gehen. Ich verbringe häufig Zeit mit Freunden UND meinen Kindern gleichzeitig, was ich dann auch „Freizeit“ nenne. Für mich ist auch ein Ausflug mit Kind Freizeit, schöne Zeit, Zeit, auf die ich mich die ganze Woche freuen kann.

Was nun mit der Playstation passiert, ist so noch nicht geklärt. Aufheben für andere Zeiten? Doch verschenken? Ich jedenfalls bunkere meine Bücher weiterhin und bin überzeugt davon, alle irgendwann zu lesen. Ich habe mich jetzt einem Lesezirkel angeschlossen, vielleicht hilft mir das weiter. Mein Mann wird den Controller sicher auch wieder zur Hand nehmen, wenn Skyrim II rauskommt.


Was meint ihr? Weg mit der Konsole? Oder aufheben? Und wie ist es bei euch?

Kommentare:

  1. Tss tss tss...da gebe ich dir schon eine Unterrichtsstunde in Bethesda's Zukunftsplanung und du lässt trotzdem Skyrim II drin stehen :D

    Aber mal zum Thema: ich würde niemals niemals niemals meine XBox weg geben.

    Klar ich bin seit Wochen auch nicht zum zocken gekommen. Werd ich auch so schnell nicht, denn wir haben Game of Thrones von vorne angefangen, aber haben ist besser als brauchen!

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  2. Verschenkt die Playstation lieber. An mich zum Beispiel :D

    LG Linda/mondblitz

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  3. Wir haben hier auch feste Regelungen. das hat aber lange gedauert und wird noch perfektioniert. Ich finde es ok wenn mein Mann sagt "ich will mal zocken und zwar in Ruhe". Für ihn ist das zocken wie für mich das Lesen.
    Wir haben uns übrigens angewöhnt Spiele zu spielen, die die Kinder sehen dürfen. zum Beispiel Minecraft.

    Wenn man akzeptiert dass man besonders bei ganz kleinen Kindern eben NICHT kann, wie man will, dann geht das alles gelassener. Wenn die Kinder 4 und älter sind, wird es einfacher, weil sie sich dann lieber mit Freunden treffen oder allein im KiZi spielen wollen.

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  4. Freizeit habe ich abends, wenn alle anderen schlafen. Dann hänge ich meist im Internet (z.B. hier!) herum, informiere mich über dies und das oder tausche mich mit Freunden/Verwandten/Bekannten... aus. Oder (und) sitze mitunter am Fernseher. Was ich dann aber öfters mit Wäsche zusammen legen o.ä. verbinde. Habe dann quasi "halbe Freizeit". :D
    Zum Lesen eines Buches, was ich eigentlich liebe, komme ich nicht oft. Bin aber (s.o.) z.T. ja selber schuld...
    Sonstige Hobbies? Hatte ich mal welche? Habe ich vergessen/verdrängt...

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