Donnerstag, 4. September 2014

Mein Kind im Systemausfall


Es kommt die Zeit in der Kinder auf das Wörtchen „Nein“ mit einem kompletten Zusammenbruch reagieren – und wir sind mitten drin. Mila verwandelt sich von einem putzigen Mädchen in ein Monster, schreiend fällt sie nach hinten, knallt dabei mit dem Kopf auf den Boden oder gegen das Tischbein und kreischt noch mehr. Oh Gott, da ist er wieder, der Totalausfall meines Kindes! Dabei habe ich doch nur „Nein“ gesagt, als sie eben an der Steckdose spielen wollte...


Gestern saß das Mädchen in ihrem Stühlchen und wollte sich mit dem Spinatlöffel die Haare stylen. Sie fand es lustig, Mama doof... Aber kaum nahm ich ihr den Löffel weg, klatschte sie beide Hände in den Brei, warf den Teller mit zusammengebissenen Zähnen vom Tisch, der Becher flog hinterher und sie selbst brüllte wie ein Teufelskind. Geht´s noch?



Willkommen in der Trotzphase! 

Etwa zwischen dem 16. und 18. Lebensmonat gerät jedes süße Kind in die sogenannte Trotzphase, in der es einige Monate wenn nicht Jahre verweilen wird. Willkommen Mila! Wir haben das nächste Ziel erreicht. Jetzt haben wir ein Mädchen, das haut und kratzt, brüllt und plärrt, sich windet und verweigert. Die Augen des kleinen Menschen werden dabei vor überschäumender Wut geschlossen und der Mund übertönt jegliche Eltern-Beschwichtigungen. „Menscheskind, jetzt hör aber auf!“ Man ist geneigt das bösartige Wesen dort einfach auf dem Boden toben zu lassen, aber es würde vermutlich nur noch mehr kreischen. Es ist ja eigentlich auch gar nicht bösartig, sondern verzweifelt. 

Der Gedankengang "Mein Kind will mich doch nur ärgern", der ist viel zu erwachsen gedacht. Das Kleinkind macht lediglich eine neue Entwicklung durch: Meine 16 Monate alte Mila erkennt sich selbst als „Ich“. Sie begreift, dass sie eine Persönlichkeit ist und dass sie Sachen vollbringen kann. Ihr Verstand reicht jetzt soweit, sich eine Handlung bis zum Ziel vorzustellen: Während sie den Löffel in den Spinat tunkt, weiß sie schon, dass sie ihn gleich zum Kopf führen wird. Sie stellt sich vor, wie herrlich die Haare dann kleben werden und wie sie ihre Eltern anlachen wird. Das ist lustig, das verspricht Spaß! Wenn sie diesen wundervollen und vorallem selbsterdachten Plan nun nicht ausführen kann, weil die Eltern ihr den Löffel aus der Hand nehmen, dreht sie durch. Sie hat keine Alternative dazu entworfen, also bricht sie zusammen: Mein Kind im Systemausfall.



Wie soll ich dieser massiven Bockigkeit begegnen? 

Ich kann Mila nicht allein eine Leiter hochklettern lassen, Steckdosen sind auch gefährlich und wenn wir zu Besuch sind, sollen die Gastgeber keinen Spinat von den Wänden kratzen müssen. Das Monster darf viel probieren und erproben, auch matschen und Chaos verursachen, ganz Kind sein, aber es gibt eben Grenzen und gerade die werden bei uns zu Hause im Moment ausgelotet und reichlich überstrapaziert. Was nicht hilft, sind „erwachsene“ Reaktionen: Das Kind schreien zu lassen (Es hört nämlich nicht auf) oder ihm zu erklären, was es falsch gemacht hat (Dazu ist es zu jung). Einem Trotzanfall kann man meiner bisherigen Erfahrung nach nur mit ABLENKUNG beenden: "Du darfst zwar nicht den Keks essen, aber schau mal, was ich hier für ein tolles Buch habe! Willst du nicht erst einmal einen Schluck Wasser trinken? Guck mal, wir malen etwas zusammen! Hier, eine Kastanie!"

Der Trotz wird ausgelöst, weil das Kind eine Handlung nicht ausführen kann und keine Alternative parat hat. Es weiß nur: Es WILL! Als Mama muss ich nun eine Alternative für den Schreihals finden, was je nach Umgebung durchaus schwierig sein kann. Zur Not sollte man vielleicht immer einen Schokokeks dabei haben oder einfach den Fernseher einschalten (... falls gerade kein pädagogisch wertvolles Spielzeug in der Nähe sein sollte).

Zum Glück nur Mädchen-Trotzigkeit


Häufigkeit und Heftigkeit der Anfälle unterscheiden sich übrigens von Kind zu Kind. Was ich momentan beobachte, ist definitiv eine Steigerung mit zunehmendem Lebensalter. Ich hatte schon vor Monaten das Gefühl, die Kleine zeige Trotzreaktionen, was auch richtig war, aber im Moment wird es häufiger, extremer und weitet sich auf alle Bereiche aus. Ich darf immerhin beruhigt sein: Jungen trotzen angeblich schlimmer. Außerdem sprechen Mädchen im Schnitt früher als Jungen und überwinden ihre Trotzphasen damit eher: Mit zunehmenden Kompetenzen, sich ausdrücken zu können, verliert sich der Trotz nämlich.



Habt ihr auch Ziegenböcke zu Hause? Was ist euer Wundermittel gegen den Trotz?



Kommentare:

  1. Oh schade, keine Kommentare! Gerade hierzu hätte ich mich über mehr Beiträge und Erfahrungen gefreut. Denn ich sehe mich jetzt schon in 16-18 Monaten neben mein Kind schmeißen und einen Schreianfall bekommen. Wie soll man da bloß cool bleiben?

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