Freitag, 26. Dezember 2014

Mythbusters #4 – Vom (Un-)Glück der Elternschaft

Kinder machen glücklich und steigern die Lebenszufriedenheit.

Laut empirischen Studien, die die Lebenszufriedenheit etlicher Probanden untersucht haben, ist allerdings das Gegenteil der Fall: 

Eltern sind unglücklicher als Kinderlose. 

Dabei variiert das Unglücklichsein der Eltern abhängig vom Land, in dem sie leben. Je weniger staatliche Unterstützung und Hilfen sie haben, umso unglücklicher sind sie.

Wie genau ist Glück definiert? Was macht glücklich?

Die Studien untersuchten die Lebenszufriedenheit, also dass, was wir zum Glücklichsein brauchen. Und das ist vor allem eine finanzielle Sicherheit, Eigenbestimmung, eine glückliche Partnerschaft, Freiheit, usw. Also alles Dinge, die bei Eltern schon per se, nett ausgedrückt, schwierig sind.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Eltern in diesen Befragungen deutlich schlechter abschnitten als Kinderlose, die nicht nur ihr Geld, sondern auch ihre Zeit zur eigenen freien Verfügung haben.

Aber warum glauben wir, dass Kinder glücklich machen?

Jede neu-Mama quält sich die ersten Wochen und Monate mit den Fragen:
Warum hat mir niemand von dieser Erschöpfung, der Verzweiflung und Einsamkeit erzählt? Warum ist mein Leben plötzlich so eingeschränkt, so beengt und warum sind die Sorgen schwerwiegender als alles, was ich vorher kannte?
Und warum bin ich nicht so glücklich wie ich erwartet habe?

Das Leben mit Kind ist in erster Linie eins: wesentlich schwieriger als zuvor. Wer weiterstudieren wollte, erkennt plötzlich, dass das Kind weniger schläft und mehr Fürsorge braucht als gedacht. Wer weiterarbeiten wollte, realisiert, dass einen familienfreundlichen Job zu finden, fast utopisch ist. Wer viel Wert auf seine Beziehung gelegt hat, stellt fest, dass weder Zeit noch Energie (auf beiden Seiten) da ist, um sie zu pflegen.

Und trotzdem: Wir wiederholen immer wieder, wie ein Mantra, wie glücklich wir doch sind. Das Kind ist gesund, macht uns so viel Freude und alle anderen Dinge sind doch nebensächlich.

Die Forscher nennen dies „die hohen Kosten mit Emotionen kompensieren“. Das heißt also, dass wir uns selbst in die Tasche lügen, wie glücklich wir dank der Kinder sind. Einfach nur, weil es sich gelohnt haben muss, seine Karriere, seinen Körper und vielleicht sogar seine Beziehung aufgegeben zu haben, um ein Kind zu bekommen.

Macht dies vielleicht auch die Erwartungshaltung und den Leistungsdruck nachvollziehbar, die viele Eltern an ihre Kinder legen? Wofür habe ich all diese Mühe investiert, wenn mein Nachwuchs den ganzen Tag wie ein Loser auf der Couch hängt und nichts aus seinem Leben macht? War es dann nicht doppelt verschwendet?

Eine US-Studie belegt dies mit einer einfachen Untersuchung: Sie rechnet Eltern vor, wie viel sie ihr Kind bis zur Volljährigkeit kosten wird (c.a. 200 000 US-Dollar). Eltern, die diese Zahl zu hören bekommen, idealisieren die Elternschaft danach viel stärker und wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Schließlich kostet sie das Kind ein Haufen Geld…führen wir uns die Kosten vor Augen, wollen wir auch was davon haben.

Belügen wir uns selbst?

Jein, würde ich sagen. Auf der einen Seite wäre es hilfreich, würde der Aufwand (oder wie die Forscher sagen, die Kosten) nicht so totgeschwiegen oder mit „das macht man doch sooo gern“ abgetan, wäre der Schock nach Geburt vielleicht nicht so groß. Und man würde mehr Anerkennung und Respekt für die Leistung erhalten, schließlich IST das Leben mit Kind anstrengend und teilweise auch gefühlt kaum zu bewältigen.

Und trotzdem kann ich meinem Umfeld versichern, dass ich glücklich bin. Vielleicht nicht gerade, aber generell.

Das Problem der Messbarkeit

Wie will man schließlich das Eltern-Glück erfassen, wenn es sich in anderen Kategorien zeigt, als wonach besagte Studien fragen?

Ja, das Leben ist anstrengender, eingeschränkter, schlafloser, voller Sorgen und Ängste und fremdbestimmt. Aber auch erfüllter, fröhlicher, bunter und voller Überraschungen.

Die Momente, die das Glück der Elternschaft ausmachen – und ich spare mir jetzt die Schwärmereien von meinem lustigen, cleveren und liebevollen Kind, das mich mit feuchten Küssen, festen Umarmungen und Knuddelattacken überschüttet – sind vielleicht kurz, verglichen mit dem Aufwand. Dafür aber umso bedeutender.

Und dies nicht, weil es einfach so sein muss, damit es sich gelohnt hat. Dafür bin ich zu realistisch - wer meine Blogposts kennt, weiß, dass ich nicht zum Selbstbetrug neige.


Wir sprechen hier also von Qualität statt Quantität. Und so wissen auch Glücksforscher, dass das Glück nicht in reinen Zahlen zu erfassen ist, sondern einen Zustand (das subjektive Wohlbefinden) beschreibt. Und dieser besteht bei Eltern aus einem Konglomerat aus stinkenden Windeln, schlaflosen Nächten und Momenten purem Glück. 

Mein Kind beschert mir also auf lange Sicht ein erfüllteres und damit glücklicheres Leben.

Das rede ich mir zumindest ein ;).

Kommentare:

  1. Bezieht sich diese Studie nicht auf junge Eltern, also auf Eltern mit Babys und Kleinkindern? Es pendelt sich ja mit den Jahren wieder ein, dann hat man wieder Schlaf und Zeit für sich. Bis dahin brauche ich halt 20 Minuten um so ein Kommentar zu schreiben :D

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    1. Ja, allerdings gibt es im Laufe der nächsten Jahre immer wieder Einbrüche der Zufriedenheit: Einmal, wenn das Kind in die Schule und dann wenn es in die Pubertät kommt.
      Wirklich glücklicher als Kinderlose sind Eltern erst, wenn die Kinder aus dem Haus, beide noch zusammen und finanziell etabliert sind.
      Tröstliche Aussichten?! ;-P

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    2. Hahaha, na was solls. Wir tragen es mit Fassung, oder? ;-) Hauptsache man hat Spaß an den Zwergen.

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  2. Mal wieder wundervoll geschrieben.
    <3

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