Montag, 14. Juli 2014

Chutriels Leseecke - "Die Mütter-Mafia"

Da mir jegliche Intuition fehlt, belese ich mich gerne zum Thema Mutterschaft. Ratschläge à la "Da musst du auf dein Bauchgefühl hören" helfen mir null, mich und mein Kind besser zu verstehen. Und ich lese alles, was mir in die Finger kommt: Empirische Studien, Ratgeber, Biografien, aber auch Romane zum Mutter-Dasein. Egal, denn jeder Mensch versteht mehr davon als ich.
Dabei kam mir in den Sinn, euch an meinen, aus den Büchern gewonnenen, Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Was man nach der Geburt nämlich nicht mehr kann, ist ein Buch lesen - zum Glück kann ich mir ab und zu die Zeit dafür stehlen und im Stehen ein paar Seiten überfliegen (und wenn ich eins im Studium gelernt habe, dann viel in sehr kurzer Zeit schnell durchzulesen).
Den Anfang macht ein Roman:

Kerstin Gier – Die Mütter-Mafia


Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mir dieses Buch zu kaufen, hätte M. es mir nicht mit folgenden Worten geschenkt: „Hier! Du regst dich doch immer so über Mütter auf. Und zu dem Buch gibt es einen Film!“
Der bis dato, ebenso wie der Hype zum Buch, an mir vorbei gezogen ist. Die Kurzbeschreibung verspricht mit der Mütter-Mafia eine Gegenbewegung zu der Sorte Mütter, die als „Bilderbuch-Mütter, die sich nur über Kochrezepte, Klavierunterricht und Kinderfrauen austauschen“ und „perfekte Mamis“ bekannt sind. Das Buch ist der Auftakt zu einer Trilogie, und so viel sei schon mal vorweg gesagt: die weiteren Teile werde ich auch lesen.

Worum geht es?
Protagonistin Constanze, eine Frau vom Land (genauer gesagt, von der Insel Pellworm), ist als richtiges Landei nicht wirklich gut im Erwachsenenleben zurecht gekommen. Zum Glück (so sieht sie das) wurde sie schnell von Lorenz schwanger, der sie dann auch heiratete. Von da an schmiss sie das Studium, blieb Zuhause und wurde im Laufe der Ehe erneut schwanger. Es kam, was kommen musste: nach vierzehn Jahren Ehe ersetzte Lorenz sie durch eine jüngere Ausgabe ihres Typs und verfrachtete sie mit  den Kindern in das geerbte Haus seiner Mutter. Fernab des Lifestyles, den sie durch sein Einkommen und die Großstadt gewohnt war, versucht sie nun, Anschluss zu finden und ihr Leben auf die Kette zu bekommen.

Mit Constanze, unfähig bis in die Haarspitzen und unselbstständig wie noch mit Anfang 20, fällt die Identifikation schwer. Bei jeder Aussage oder Absatz, der ihre Gedanken beschreibt, war ich hin- und hergerissen zwischen rührseligem Mitgefühl und dem Drang, sie zu schütteln und dabei „Selbst Schuld, du Sumpfkuh!“ zu schreien. Lorenz wird natürlich übertrieben als mega Arschloch dargestellt, welches einfach Frau und Kinder zurücklässt, um sich mit neuer Freundin ein schönes Leben zu machen. Ihn von Anfang an scheiße zu finden fällt da leicht.
Damit komme ich schon zum Minus-Punkt des Romans: Die Figuren sind sehr plakativ, klischeehaft und überzeichnet. Um allerdings die Mütter, welche Constanze kennenlernt und bei denen sie unbedingt Anschluss finden will, ausreichend voneinander abzugrenzen, ist das wohl nötig.

Die sogenannte Mütter-Society castet nämlich erst mal, wen sie in ihre elitäre Gesellschaft aufnehmen will. Und dort findet man die durchorganisierte Karrierefrau neben weiteren Archetypen, Englisch-Spielgruppen, musikalische Frühförderung, Zirkusgruppe, eine happy Neuschwangere, die alles „supi“ findet und für ihr „Wurzelchen“ schon direkt auf alle Schadstoffe verzichtet und sich zum Pekip anmeldet, Engel-Filzkurse für Kinder und organisierte Straßenfeste und und und. Also alles, was man sich in seinen schlimmsten Alpträumen vorstellen kann.

Und es ist wirklich witzig! Vor allem die Szenen des Zusammentreffens und die dazugehörigen Kindern sind toll und mit viel Herz geschrieben.

Mein Fazit
Wer sich an Klischees nicht stört, wird sich gut dabei unterhalten fühlen wie Constanze doch noch Gleichgesinnte findet und den Grundstein für die Mütter-Mafia legt. Aus dem Grund werde ich auch die Fortsetzung lesen. Ich bin doch neugierig, wie es damit weitergeht.

Zumal ich schon persönlich das zweifelhafte Vergnügen hatte, diese Möchtegern-elitären Mütter kennen zu lernen, die zu anderen Frauen, die ihre Meinung nicht teilen, ähnlich eklig sind wie Constanze es durch die Mütter-Society erfährt.

Es gibt sie tatsächlich da draußen!

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich den Film gucken möchte. Vielleicht in einem Anflug von Langeweile. Ich kann mir vorstellen, dass diese Art von klischeehafter Darstellung auf 90-Filmminuten runtergekürzt schwer zu ertragen sein wird.

Achtung, Spoiler:
Was mich aber wirklich gestört hat und was nicht unerwähnt bleiben soll, ist ein sexueller Missbrauch an einem der Kinder der Rädelsführerin der Mütter-Society. Um ihn aufzuklären und zur Anzeige zu bringen, bedarf es der Mütter-Mafia. Irgendwie...passt es nicht. Denn erstens dümpelt der Roman sonst so seicht vor sich hin und zweitens wird sogar der harsche Betrug an Constanze und die eigentlich tragische Wendung ihres Lebens relativ schmerzunbehaftet, fast schon achselzuckend dargestellt. Warum das also? Vielleicht ein rein stilistisches Mittel, um die Ignoranz dieser "Vorzeige-Mamis" darzustellen? Dazu finde ich das Thema aber wichtig und im Buch zu schlecht aufgearbeitet, als dass man es dafür verwenden sollte.

Und nun meine Fragen an euch:
  • Habt ihr das Buch gelesen?
  • Hat es euch gefallen? Wenn ja oder nein, warum?
  • Kennt ihr den Film?
  • Welches möchtet ihr als nächstes hier im Blog finden?





Rike Drusts "Muttergefühle" oder 
Gertraud Fingers "Auch Mütter dürfen NEIN sagen"?

Kommentare:

  1. Ich bin für "Muttergefühle". Sieht total gruselig aus, drum bin ich gespannt, was sich dahinter verbirgt.

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  2. Ich bin auch für Muttergefühle. Das hab ich nämlich selbst gelesen ;) Und bin gespannt was du dazu sagst!

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  3. ich bin auch eher gespannt was sich hinter muttergefühle verbirgt

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