Sonntag, 13. Juli 2014

Mama allein zu Haus...


Niemals Streit um die Erziehung, niemals darauf warten, dass der andere irgendwelche Dokumente unterschreibt, auf denen Mama und Papa unterschreiben müssen, niemals, niemals, niemals!
Ja das mag auf der einen Seite ganz verlockend klingen, aber ich sag euch eins: es ist verdammt nochmal kein Spaziergang und überhaupt nicht lustig.

Von Anfang an... allein

Beginnend in der Schwangerschaft: Schon da war ich allein. Ich rede nicht von der Familie, sondern nur vom werdenden Vater. Niemand hat mit über den Bauch gestreichelt und sich mit mir gefreut. Niemand hat abends mit dem Baby gesprochen vor dem zu Bett gehen. Jeden Arztbesuch habe ich allein gemeistert und habe mich allein über die Ultraschallbilder gefreut.

Am meisten dachte ich aber damals: Als Mutter habe ich jetzt schon versagt, weil mein Kind ohne Vater aufwachsen wird. Ich habe mir schwere Vorwürfe gemacht. Wie oft lag ich abends im Bett, fühlte die Tritte von meinem Baby und weinte bitterliche Tränen...

Jeden Einkauf fürs Baby stand ich alleine da, während um mich herum glückliche Pärchen zu zweit einkauften und sich die klitzekleinen Klamotten ansahen. Und wieder musste ich mit den Tränen kämpfen. Warum ich? Warum nicht die anderen?

Das Ding mit den Ämtern

Ich musste tausend Behördengänge meistern. Jedes mal das gleiche Spiel, sagen, dass der Vater nicht da ist. Immer diese "Na-einfach-nur-zu-dumm-zum-verhüten"-Blicke musste ich über mich ergehen lassen. Als dann der Berater bei Profamilia mit mir über Verhütung sprechen wollte, bin ich ausgeflippt! Nur weil ich alleine da stand, hieß dass doch noch lange nicht, dass ich eine Schlampe oder dumm bin. Leider werden viele alleinstehende Mütter in diese Schiene gedrückt. Es ist nicht einfach und ich wünsche niemanden in einer solchen Situation zu sein.

Ich achtete darauf, immer gepflegt auszusehen, damit die Leute sahen: Oh sie ist nur in der Lage, weil sie ein Kind erwartet! Heute weiß ich, dass es dumm ist, so zu denken.

"Du hast doch genug Selbstbewusstsein!"

Diesen Spruch musste ich mir so oft anhören. Ich war es einfach leid. Klar bin ich ein sehr selbstbewusster Mensch, aber auch der selbstbewussteste Mensch der Welt will mal in den Arm genommen werden. Nach außen habe ich mich immer stark gegeben. Niemals Schwäche gezeigt. Falls es doch mal aus mir rausplatzte, schob ich es auf die Hormone.

Ja - ich fühlte mich allein! Und ja - ich tue es auch heute noch. Jedes Mal wenn jemand erzählt, wie der Papa grad das Kind ins Bett bringt, denke ich mir: Ja komm, bla bla bla. Leider muss ich auch sagen, dass ich oftmals kaum Verständnis für die Mamis haben, die rumheulen, wie überfordert sie sich fühlen. Jeden Tag stehe ich auf, in der Hoffnung, dass alles nur ein böser Traum ist und mein Traummann gleich um die Ecke kommt und mich mitsamt Kind mitnimmt.

Die Geburt

Natürlich wusste ich, dass meine beste Freundin und meine Mutter sofort mit in den Kreissaal gekommen wären, wenn ich sie darum gebeten hätte. Ich habe vorher auch viel darüber nachgedacht und wollte jemanden dabei haben. Als ich dann am 13.01. ins Krankenhaus kam, war ich auch felsenfest davon überzeugt, jemanden anzurufen, sobald es ernst wurde.

Als ich um 23:45 Uhr mit 4cm offenen Muttermund in den Kreissaal kam, fragte die Ärztin mich, ob ich jemanden anrufen möchte. In dem Augenblick sagte ich: "Nein". Ich wusste auf einmal, dass dieser Moment nur mir und meinem Kind gehören sollte. Als ich ihn dann um 4:27 Uhr im Arm hielt und wir uns minutenlang einfach nur anstarrten, bereute ich keine Minute allein gewesen zu sein.

Ich muss sagen, dass ich eine Geburt nicht noch einmal allein durch machen wollen würde. Sollte es jemals zu einer zweiten Schwangerschaft kommen, dann nur, wenn ich den richtigen Partner dazu habe.

Der Alltag

Die ersten Wochen war ich komplett übermüdet, duschte teilweise tagelang nicht, vernachlässigte den Haushalt, aß erst abends mal ein Brot und traute mich allein mit Baby nur morgens aus dem Haus. Jeden Tag wünschte ich mir, dass jemand käme und ihn mir nur mal für eine halbe Stunde abnehmen würde. Doch ich war allein.
Noah und ich gingen abends gegen 19 Uhr schlafen und standen morgens um 6 Uhr auf. Ich zog uns schnell an und ging eine große Runde spazieren und bevor die meisten Menschen zur Arbeit gingen, war ich schon wieder zu Hause.
Ich schämte mich einfach. Da bin ich ganz ehrlich. Ich war überzeugt, dass sich die Leute in meiner Heimat das Maul zerreißen würden. Sprüche a la "Es war ja klar ,dass sie sich von irgend einem Typen schwängern lässt" schwirrten mir im Kopf herum.
Doch umso älter Noah wurde, umso selbstbewusster wurde ich wieder. Das Selbstbewusstsein, dass ich durch die Trennung von Noahs Vater und die Schwangerschaft verloren hatte, kehrte langsam wieder zurück.

Ich entspannte mich. Ging immer öfter nachmittags in die Stadt und zeigte mich in der Öffentlichkeit. Die Leute im mich herum gaben mir das Gefühl nicht allein zu sein. Plötzlich schminkte ich mich wieder, zog mich wieder vernünftig an und präsentierte stolz mein Mamaglück.



Heute

Mittlerweile ist Noah fast sechs Monate alt. Ich bin mittlerweile voll in meiner Mutterrolle aufgegangen und komme super zurecht. Wir haben unsere festen Rituale. Es ist schwierig, da möchte ich nichts schön reden. Ich kämpfe jeden Tag neu darum, dass wir ein schönes Leben führen können.
Natürlich wünsche ich mir oft, dass ich mal alleine einkaufen oder abends mal mit einer Freundin was trinken gehen kann. Doch als Alleinerziehende habe ich diese Privilegien nicht. Natürlich gibt es Oma und Opa und auch meine Brüder greifen mir gern unter die Arme, aber ich bin Noahs Bezugsperson, die Person, die immer bei ihm ist. Er weint, sobald ich nicht in seiner Nähe bin. Und auch ich habe meine Probleme ihn mal allein woanders zu lassen.
Den Haushalt erledige ich, wenn Noah schläft. Duschen tue ich mit ihn zusammen, erst duschen wir zusammen, danach lege ich ihn in seine Wippe und wickele ihn ganz fest in sein Handtuch ein, was er super findet.
Wenn er einen Schub hat, bin ich abends am Ende mit meinen Kräften und zähle die Minuten bis er im Bett ist.

Zu Noahs Vater haben wir übrigens keinen Kontakt, aber ich bin überzeugt davon, dass da draußen ein Mann rumläuft, der auf dem Weg zu uns ist und mir und Noah Partner und Vater sein kann.

Fazit

Man muss sich nicht schämen, weil man allein ist. Jede Frau kann über sich hinaus wachsen. Ich bin es und bin stolz auf mich selbst. Vater und Mutter zugleich zu sein, ist nicht einfach, aber sobald Noah mich anlächelt und fröhlich quietscht, weiß ich, dass ich alles richtig mache und mein Kind glücklich ist, egal wie schwer es ist.
Und ist er es, bin ich es auch!


Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass ich glücklich bin. Trotzdem wünsche ich jedem, dass er niemals in meine Situation kommt. Und auch wenn der Papa mal wieder die Windel nicht richtig zumacht oder das Kind zu dünn anzieht. Seit jeden Tag froh, dass er da ist und verzeiht ihm einfach einmal mehr. 

Kommentare:

  1. Bitte sei mir nicht böse, aber der Text hört sich sehr verbittert an. Als ob ein Prinz in goldener Rüstung alle deine Probleme beseitigen würde. Klar es ist sicher kein Zuckerschlecken, aber dieses 'ich hab's schwerer als ihr und alle die nen Mann haben seid verdammt nochmal dankbar' ist doch auch Quatsch.
    Ich halte es für einen Trugschluss dass es Mamas mit Männern zwangsläufig leichter haben bzw du sie nicht für voll nehmen kannst wenn sie sich auch mal beschweren dass es zu viel wird. Zumindest hast du Familie die dich gerne unterstützt und das ist sooo viel wert. Ich wünsche euch natürlich dass da mal ein toller Mann kommt, aber das ist doch auch keine Garantie dass es einem alles leichter von der Hand geht...
    Liebe Grüße
    Sabrina

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    1. Liebe Sabrina, ich glaube auch nicht, dass sie das so gemeint hat (bzgl das Muttis mit Partner es zwangsläufig leichter haben) aber man jammert vielleicht doch ein mal zu oft wenn Papa sein Ding nunmal anders durchzieht und darauf macht Marypenny uns aufmerksam. Und sie ist alles andere als verbittert, dass kann ich dir sagen.

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    2. Also ich bin weder verbittert noch sonst was. Aber nur mal so am Rande,es ist nun mal leider so,dass es Alleinerziehende schwerer haben. Da kann man nichts schön reden. Meine Familie arbeitet selbstverständlich,also sind sie auch nicht immer zur Stelle wenn ich mal kurz vorm Nervenzusammenbruch bin. Ich denke Leute die sowas nicht erlebt haben,können da auch nicht mitreden. Wie ich schon erwähnte wünsche ich diese Situation niemanden.
      Ein Partner hilft auch wenn er abends einfach nur da ist. Damit man sich mal ausheulen kann.

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    3. Ähm ja und du gehst davon aus dass ich nicht mitreden darf?
      Ich war auch einen Großteil der Schwangerschaft alleine, mein Mann im Ausland, ohne ihn einmal zu sehen. Ich war auch bei jedem Termin der mit Baby zu tun hatte alleine. Auch jetzt ist er oft auf Dienstreisen und wenn überhaupt nur am Wochenende daheim und ist dann auch nicht 24/7 nur Babybespasser und Seelentröster, sondern trifft sich dann auch mal mit Kumpels oder will auch mal seine Ruhe, meine Eltern wohnen 4 Stunden entfernt, ich kenne hier an meinem Wohnort keinen und kann auch nicht sagen ich treff mich spontan mal mit jemanden zum quatschen. Es ist sicherlich nicht dasselbe wie komplett alleinerziehend zu sein aber mir das Recht abzusprechen mitreden zu dürfen finde ich gemein. Ich empfinde den Text eben als etwas dramatisch geschrieben. Aber okay, vielleicht habe ich das alles falsch interpretiert. Sei nicht böse auf mich nur weil ich nicht gleich geschrieben habe, dass ich das alles so unterschreibe wie du's geschrieben hast. Ich empfinde das “Alleine sein“ eben als nicht so belastend, so ist eben jeder anders. Wie gesagt ich wünsche dir und deinem Kind alles gute. LG Sabrina

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    4. Sorry, ist in meinen Augen trotzdem noch eine vollkommen andere Situation. Denn auch wenn dein Mann auf Dienstreisen ist, ist er trotzdem da. Du weißt, dass jemand hinter dir steht, auf den du zählen kannst. Wenn er da ist, wird er dir sicherlich auch das Kind mal abnehmen, auch wenns nur 10 Minuten sind. Aber auch 10 Minuten sind Gold wert.
      Es gab zum Beispiel folgende Situation: Mein Kind und ich waren im April zwei Tage im Krankenhaus. Ich war als Begleitung dabei. In diesem Augenblick wäre ein Partner sehr schön gewesen,denn ich war an dem Tag das erste mal um 16 Uhr auf der Toilette. Vorher konnte ich einfach nicht,weil dauernd die Ärzte oder Schwestern da waren. Und ich bin mir sicher,dass dein Mann in einer solchen Situation auch anwensend wäre.
      Und das du das "Allein sein" nicht so belastend siehst,ist ja iok. Du weißt ja,dass du nicht alleine bist ;)

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    5. Liebe anonym, wenn du selbst so oft alleine bist, dann solltest gerade du doch ganz gut nachvollziehen können, wie es marypenny geht ;)
      Ich persönlich bin froh um meinen Mann und dass ich abends auch mal ins Kino gehen kann.

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  2. Marypenny ist weder verbittert, noch denkt sie, dass ein Mann alle Probleme lösen kann, aber dennoch sind doch Familien bei denen es Mutter, Kind und Vater gibt, ein anderes Kontrukt, als wenn eben einer der Partner fehlt (egal ob die Mutter oder der Vater alleinerziehend ist). Es fehlt einfach ein Partner, der einen ab und an auch mal was abnimmt (sei es im Haushalt, Behördengänge oder einfach nur um sich mal für eine Stunde in die Badewanne zu legen). Natürlich ist es eine große Hilfe die Familie um sich zu haben, aber man möchte dieses Privileg auch nicht überstrapazieren. Mal davon abgesehen, dass ein bisschen Nähe und Zuneigung auch den Muttis gut tut. Ich kenne nicht viele junge Mütter und es mag sein, dass ich so über Marypenny denke, weil sie meine beste Freundin ist, aber an dem Tag, an dem Noah auf die Welt kam und ich drei Stunden später an ihrem Bett stand und wir uns weinend in den Armen lagen, war sie schon ein ganz anderer Mensch. Auf einmal war sie mit Leib und Seele Mama und dazu noch äußerst entspannt und unverkrampft. Wenn der richtige Mann in ihr Leben tritt (und ich bin mir sicher, das wird er), wird er bestimmt nicht alle Probleme lösen, aber er wird ihr beistehen und ihr Liebe und Nähe geben und genau das ist es doch, was sich jeder wünscht :)

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  3. Ich kann dich wirklich gut verstehen. Dein Text klingt überhaupt nicht verbittert. Du schreibst über deine Erfahrungen, die du gemacht hast und sicherlich auch andere alleinerziehende Mütter. Du bist eine starke, junge Frau die ihren Weg gefunden hat. Dafür sollte man dich respektieren. Klar ist es am Anfang nicht leicht, aber du hast es gut gemeistert.
    Ich bin zwar nicht alleinerziehend und habe meinen Partner, der hinter mir steht und mir die Kleine abends gerne mal abnimmt. Ich kann zum Sport gehen oder mich mit Freunden treffen, aber es muss vorher abgesprochen sein. Hört sich vielleicht komisch an, aber nur so klappt es. Mein Partner beschwert sich sogar, wenn er die Kleine am Tag nur ganz kurz gesehen hat. Gerade diese Zeit genießt er sehr. Klar stehen seine Familie und meine Familie zur Stelle, wenn wir mal alleine was machen wollen, aber ehrlich, ich gebe sie ungern ab. Ich werde nach 2h sowas unruhig und schaue ständig auf mein Handy.
    Ich wünsche dir von ganzen Herzen, das du jemaden findest, der hinter dir steht und für den Kleinen einen super Papa ist.

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    1. Danke. So habe ich es auch gemeint. So abends mal ein halbes Stündchen duschen ohne dauernd im Kopf zu haben,dass man sofort aus der Dusche stürzen muss,wäre schon echt schön.

      Wie ich auch oben bereits erwähnte,bin ich glücklich,aber ein bisschen Nähe von einem Partner wäre abends auch mal ganz schön :)

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  4. du bist noahs traum mami <3 und wir sind immer für dich da! :)

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  5. Außerdem darf man echt nicht vergessen, dass wir alle im selben Boot sitzen. Und Gedanken à la "die hat es aber viel leichter als ich" helfen einem auch nicht weiter. Ich bin auch manchmal neidisch auf die Mütter, deren Kinder ohne Probleme einschlafen. Oder die keinen KS hatten oder keine Frühgeburt oder oder oder.
    ABER: Die einen haben kranken Kinder, Kinder mit Handicaps, Wochenbettdepressionen, Geldsorgen, Beziehungsprobleme, Bindungsschwerigkeiten, sind selbst chronisch oder psychisch krank, etc. Die Liste lässt sich unendlich fortführen.
    Die Gemeinsamkeit ist, dass es keine leicht hat. Das sollte frau immer im Hinterkopf behalten, wenn sie neidvoll nach links oder rechts guckt.

    Jede verdient Anerkennung und eine Schulter zum Ausweinen. Jederzeit .

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  6. Ich bin nicht alleine und ich muss dir zu 100% recht geben. ICH selber würdige meinen Freund als Papa und Partner oft viel zu wenig und beschwere mich über kleine Fehler. Und wenn ich dann daran denke, dass es auch so sein könnte wie du beschreibst, fühl ich mich ganz ganz mies!

    Du bist einfach unglaublich stark! :) Und auf keinen Fall verbittert. das ist die reine Wahrheit! Noah hat ne ganz tolle Mami!!!

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  7. ich bewundere deine Stärke sehr. Hab echt respekt vor dir wie du das alles meisterst/ gemeistert hast. Wünsche dir sehr das zur richtigen Zeit der Traumprinz kommt..

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